Die Dorfseele kocht: Das „Hanni-Luder“, die neue fesche Bedienung, sorgt für Unruhe. Die Damen fackeln nicht lang und beschließen den Ehestreik. foto: robert brouczek

Vergnügliche Verwicklungen

Ottobrunn - Die Volksbühne Ottobrunn-Neubiberg begeistert ihr Publikum mit dem Stück "Der Ehestreik

Einen echten Klassiker mit Tempo, Witz und Herz präsentiert die Volksbühne Neubiberg-Ottobrunn zum Abschluss ihrer Theatersaison. Die Premiere im Leiberheim war ausverkauft, das Publikum amüsierte sich bestens.

Der Kampf der Geschlechter wird herrlich thematisiert im pointierten Dreiakter „Der Ehestreik“ von Julius Pohl (1869-1958). Gute 92 Jahre hat das Lustspiel schon auf dem Buckel. Pohl, ein Berufsschauspieler, schrieb es 1923. Und doch hat der Stoff nie an Charme verloren. Das ist freilich nicht verwunderlich, jedermann ist involviert. Denn wenn Herz und Verstand miteinander ringen, führt das immer zu Verwicklungen. Das amüsiert, das unterhält. Das Ensemble der Volksbühne nimmt hier sein Publikum mit, lässt es mitfiebern und lachen, um es dann neugierig auf Kommendes in die Pausen zu schicken.

Mit viel Fingerspitzengefühl hat Gabriele Popp wie so oft Regie geführt. Seit 1969 ist sie als Spielerin dabei, seit 1997 auch in der Leitung. Das liegt der 62-Jährigen im Blut. Schon ihre Eltern, Barbara und Hermann Kröller, prägten Jahrzehnte das Geschick der Volksbühne von 1948. Mit vier Inszenierungen im Jahr zählt diese heute zu den aktivsten Heimatbühnen Bayerns. Dafür, dass alles glatt über die Bühne geht, engagieren sich fünf Regisseure, 37 Stammschauspieler und 80 treue Vereinsmitglieder. Die Gesamtleitung obliegt Ralf Hiltwein.

Schauplatz des aktuellen Lustspiels ist eine bäuerliche Stube mit Kachelofen, Herrgottswinkel und Jogl-Tisch. Doch der harmlose Schein trügt, die Dorfseele kocht. Ursache dafür ist die neue, fesche Bedienung im Bärenwirt. „Das Hanni-Luder muss wieder weg“, sind sich die Frauen des Dorfes einig. Sie wittern Untreue. Schnell hat die Bürgermeisterin (Claudia Rott) eine Petition für den Wirt parat, alle Frauen sollen unterzeichnen. Für „eheliche Treue und häuslichen Frieden“, wie sie sagt. Das sehen ihre Männer freilich anders. Was tun? Die Frauen grübeln. „Wenn man sie nicht einsperren kann, kann man sie doch aussperren“, schlägt Philomena Wurzel schließlich vor. Elisabeth Pirthauer spielt das resolute Weibsbild herrlich einfältig und gewitzt. Viele Lacher gehen auf ihr Konto. „Auf ein dreifaches Riegel vor“, prosten sich die Frauen dann zu. Der Ehestreik ist beschlossen. Auch den Pfarrer (Bobby Verfürth) lassen sie außen vor: „Von der Ehe haben sie so doch so viel Ahnung wie der Ochs vom Schlittschuhlauf“, sagen sie frech.

Betroffen ist das junge Eheglück, ebenso verliebt wie verletzlich, dargestellt von Veronika Hiltwein und Michael Schweiberger. Im Gegensatz dazu die Eltern, 40 Jahre verheiratet. Hier glänzen Karin Nittman und - in einer Paraderolle - Horst Weinmann. Als charmanter Kauz Bartl, der nicht unterm Pantoffel stehen will und doch mitten drin steckt, erobert er die Herzen des Publikums.

In weiteren Rollen gefielen Roswitha Ruisinger, Sylvia Deuschl, Marion Windorfer, Steffi Juretzki, Werner Bachmann, Erich Guggenberger sowie erstmals Julian Schmidt und Richard Zacharski. Es gibt Eifersucht, Leidenschaft, die wahre Liebe. Freilich kommt es anders, als anfangs gedacht. Das ist spannend, das macht Spaß, das brachte langen, absolut verdienten Beifall. Gut gelaunt gingen die Zuschauer nach Haus. Darunter Stammpublikum, das dem Ensemble seit 25 Jahren die Treue hält. Kathrin Kohnke

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