Verkehrsmoral wird immer schlimmer

- Kontaktbeamter vermisst Rücksichtnahme

GTEXT=Unterhaching - Mit den besten Vorsätzen umarmen sich die Feiernden im neuen Jahr, ein Küsschen hier, ein Schmätzchen da. Was sie sich nicht alles vorgenommen haben, nie wieder den Glimmstengel anzustecken, Kaninchen Nuffi das Fell zu bürsten und bei Rot an der Ampel stehen zu bleiben. Wie steht es eigentlich um die Moral im Straßenverkehr? "Schlimm", sagt der Kontaktbeamte der Unterhachinger Polizei, Franz Oberhorner. Und jedes Jahr werde es schlimmer.

"Viele Autofahrer nehmen keine Rücksicht." Stattdessen hätten sich einige den Schlachtruf, "ich komm` schon durch" auf das Nummernschild geschrieben. An Beispielen mangelt es Oberhorner nicht. Beim Stephaniritt in Oberhaching wird zur Sicherheit um die Kirche herum alles abgesperrt. Im Süden am Bahnübergang steht ein Hinweisschild, im Norden an der Holzstraße, auch die übrigen Seiten sind gut abgedichtet. Aber die Unerschütterlichen, die Trotzigen fahren weiter. "Wir kommen schon vorbei an den Pferden, kein Problem", musste sich Oberhorner schon anhören.

Nicht anders sieht die Lage in Sauerlach aus, wo zur Zeit der Kanal gebaut wird. "Ganz schlimm war es im Sommer, als wir die Wolfratshauser Straße abgesperrt haben." Sauerlachs Hauptader. Da drängte sich alles in die kleinen Seitenstraßen, obwohl bereits an der Brennerei, wo die Straße nach Arget abzweigt, eine Absperrung aufgestellt war. "Ich habe vorgeschlagen, einen Wall aus Erde aufzuschütten." Nur ein natürliches Hindernis hätte die Autofahrer abgehalten. Aber die Gemeinde entschied sich dagegen. Weil die Stelle unübersichtlich sei.

Den Gedanken mit dem natürlichen Hindernis hat Oberhorner bei den Förstern schätzen gelernt. Alljährlich findet zwischen Sauerlach und Deisenhofen das St. Anna-Fest statt. Die Zufahrt von Süden sperrt und sichert die Polizei, auf den restlichen Wegen legen die Förster mannsdicke Baumstämme quer, die man nicht leicht zur Seite schieben kann. Eine auch für Jeeps unüberwindliche Barriere und mehr als ein bloßes Signal, nämlich ein Schlusspunkt. Die Baumrinde ist geduldig und wartet zäh auf jeden Ankömmling und alle Motorenstärken.

Rasende Mütter vor den Kindergärten

"Was die für Ausreden die haben, um doch durchzukommen!" Der eine sei schlecht beieinander. Aber warum dann zum Fest? Der zweite ist spät dran. Die Feuerwehr auch, wenn`s brennt und sie nicht durchkommt, weil alles zugeparkt ist. Am unverständlichsten ist für Oberhorner die Moral mancher Mütter vor den Kindergärten. "Sind die Kinder aus dem Auto heraus, beklagen sie die Unvernunft der rasenden Rowdys, sind sie drin, treten sie selbst ins Gaspedal." Wenn der Beamte sie dann auf den Widerspruch aufmerksam machen will, hört er immer die gleichen Phrasen. Ich muss zur Arbeit. Habe keine Zeit, bin im Stress. Nur eine rigorose Überwachung aller Schulen und Kindergärten könne Abhilfe schaffen. Für noch besser hält Oberhorner die Stärkung der Moral. Seine Mitgift zum neuen Jahr. Marc Schreib

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