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Auto an Auto reiht sich regelmäßig auf der A 99 rund um München. Baustellen und Reiseverkehr verschärfen die Lage immer wieder. 

Verkehrspakt – ein Hoffnungsschimmer

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Es gibt viele Ansätze.  Aber bisher keine vollständige Lösung. Die Rede ist von der schwierigen Verkehrssituation im Landkreis und in der Region. Eine neue Idee kommt jetzt aus dem Innenministerium.

Landkreis – Mit einer konzertierten Aktion will der Freistaat dem drohenden Verkehrsinfarkt in Stadt und Landkreis München zu begegnen: Ein Verkehrspakt soll nach Wunsch von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Bund, Kommunen und Verkehrsträger an einem Tisch vereinen.

Seit Monaten ist der Verkehr das bestimmende Thema im Landkreis München. Der Kreistag arbeitet an Radschnellwegen und tangentialen Nahverkehrsverbindungen. Erst kürzlich verständigte man sich darauf, einen umfangreichen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in Angriff zu nehmen. Zusammen mit benachbarten Kreisen und dem MVV arbeitet das Landratsamt seit dem Frühjahr an einem attraktiveren ÖPNV. Der Städtetag rief nun die Staatsregierung ebenfalls zu einem beherzten Engagement auf. Und nur wenige Stunden später ging Herrmann mit seinem „Verkehrspakt Großraum München“ an die Öffentlichkeit.

Der Innenminister sprach von „Handlungsdruck“, von „Zeitdruck“. Die Metropolregion München zähle zu den Regionen Deutschlands, die mit der größten Dynamik wachsen. Im Landratsamt hofft man daher nun auf „Rückenwind“ für angestoßene Initiativen. Landrat Christoph Göbel (CSU) sagte, man setze auf ein gemeinsames Vorgehen bei Radschnellwegen. Nach der beschlossenen Pilotstrecke von München nach Garching und Unterschleißheim warten nun Gemeinden im Süden, Osten und Westen auf eigene Korridore; etwa den Radschnellweg durch den Perlacher Forst. „Das sind nicht nur wir“, sagt Wolfgang Ziolkowski, Ordnungsamtsleiter im Rathaus Unterhaching. „Ob Sauerlach oder Oberhaching – die sind brandheiß auf die Strecke.“ Über eine finanzielle Beteiligung des Freistaats wäre der Landkreis nicht unglücklich.

Dass der Verkehrsinfarkt unmittelbar droht, ist nichts Neues. Mittlerweile sollte diese Information auch in den oberen Etagen der Staatsregierung angekommen sein, hofft Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW). „Sogar die Industrie macht Druck, weil Angestellte es nicht mehr zur Arbeit schaffen.“ Das sollte, meint Kuchlbauer, auch ein Minister zu spüren bekommen.

Der Handlungsdruck lässt Bürgermeister und Kommunalpolitiker hoffen, dass der Vorstoß von Herrmann mehr ist als nur ein Wahlkampfversprechen. Edwin Klostermeier (SPD), Bürgermeister von Putzbrunn, freut es ungemein, „dass endlich Bewegung in die Sache kommt“. Er baut auf eine Entlastung der B471. „Unsere Ortsmitte und die Zentren der Nachbarn platzen aus den Nähten.“ Die geforderte Autobahn-Parallele sollte von Aschheim bis Hohenbrunn reichen. Mindestens. Zum Verkehrspakt gehören für Klostermeier auch der Ausbau des Nahverkehrs und eine Forcierung alternativer Verkehrsmodelle wie E-Autos, Leih-Bikes und Carsharing. Das sieht sein Kollege aus Oberschleißheim genau so, wobei Kuchlbauer die Bahnschranke an der B 471 und die Dauer-Staus sowie die Umfahrung der Staatsstraße 2342 von Feldmoching bis Unterschleißheim besonders am Herzen liegen. „Nehmen Sie den Business Campus: Der Verkehr wird doch nicht weniger.“ Die Bürgermeister scheinen zuversichtlich, dass Herrmann es ernst meint mit seinem Verkehrspakt. Aber: „Zuversicht“, sagt Klostermeier, „wird sich einstellen, wenn verbindliche Regelungen getroffen sind und Finanzmittel bereitstehen.“

Gespräche ab Herbst

Einen Zeit- oder Finanzplan für den Verkehrspakt gibt es noch nicht. Vorgesehen ist, dass Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Herbst Kommunalpolitiker, Vertreter der zuständigen Ministerien in Bund und Land sowie Abgesandte von MVV, MVG, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und anderen Verkehrsträgern zu ersten Gesprächen bittet. Für den ÖPNV in Bayern überweist der Freistaat heuer 52 Millionen Euro. Von dieser Summe fließen 32,7 Millionen Euro in den ländlichen Raum. Ballungsräume wie München, Würzburg, Augsburg und die Städteachse Nürnberg-Fürth-Erlangen erhalten 16,8 Millionen Euro.

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