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Gemeinsam stark: Die Landwirte bei der Gebietsversammlung in Aschheim, begrüßt vom stellvertretenden Ortsobmann Hannes Bußjäger.

Gebietsversammlung der Landwirte in Aschheim

Überproduktion und niedrige Preise: Existenz der Bauern gefährdet

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Für die Landwirte aus dem Münchner Osten ist derzeit guter Rat teuer. Das Preisniveau auf dem Markt für die heimischen Lebensmittelproduzenten ist derart niedrig, dass an Geld verdienen nicht zu denken ist.

Bei der Gebietsversammlung der Landwirte tat sich auch der Kreisobmann Anton Stürzer schwer, eine Prognose abzugeben. Er musste erklären, dass nach wie vor mehr produziert als verbraucht wird und damit die Preise im Keller sind. Noch heute liege ein großer Teil der Ernte des vergangenen Jahres in den Lagern, sagte Stürzer. Schlössen Landwirte derzeit etwa Vorverträge über den Verkauf von Braugerste ab, seien nicht mehr als 16,50 Euro pro Dezitonne zu bekommen. „Dann fährst du raus aufs Feld und weißt, dass du nichts verdienst“, sagte Stürzer. Ohne Vorvertrag würde der Landwirt aber wiederum mit einer 50:50-Chance pokern. 

Mut konnte der Kreisobmann nicht machen. Im Gegenteil: Er warnte, die Preise könnten noch schlechter werden. 

Ein heißes Thema bei den Landwirten ist derzeit auch eine Umfrage der Europäischen Union zum Thema „Greening“. Ab 2018 soll sich die Landwirtschaft mehr bei Umweltmaßnahmen einbringen und fünf Prozent der Felder still legen. Dies lehnt der Bayerische Bauernverband ab, weil auf diese Weise die Zahl der landwirtschaftlichen Flächen weiter reduziert werde. Jeden Tag verliere die Landwirtschaft in Bayern statistisch 18,1 Hektar Fläche und im Laufe der vergangenen Jahre seien in Deutschland Felder verloren gegangen von einer Gesamtgröße, die ganz Niederbayern entspreche. Eine Alternative zu brach liegenden Flächen ist es, den 3,33-fachen Grund mit dem sogenannten Greening ganzjährig zu bewirtschaften – etwa durch den Anbau von Zwischenfrüchten in den Wintermonaten. Dieser Winteranbau von speziellen Saatmischungen bringt dem Landwirt zwar zusätzliche Einnahmen, aber auch ein derzeit unkalkulierbares Risiko, meldet der Bayerische Bauernverband.

 Denn es gibt keine Langzeitstudien zum Greening. Niemand weiß etwa, welche Probleme etwa durch Mäuse und andere Tiere für die bewirtschafteten Flächen entstehen kann. Fachberaterin Gabriele Borst von der Kreisgeschäftsstelle forderte alle Landwirte auf, sich an der europaweiten Befragung bis zum 8. März zu beteiligen. 

Aschheims stellvertretender Ortsobmann Johann Hirschvogel sagte, dass die landwirtschaftlichen Flächen im Ort in den vergangenen Jahren spürbar weniger geworden seien, durch neue Gewerbegebiete, die Umgehungsstraße und zuletzt aufgrund des Baus der Autobahnausfahrt Aschheim/Ismaning. 

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