"Verschattung mindert die Wohnhygiene"

- Grünwalder Gemeinderat beschließt Baumschutzverordnung

VON MARC SCHREIB Grünwald - Die Baumschutzverordnung ist durch. Ahorn, Linde, Buche, Eiche und die ganze Laubholzgruppe dürfen ab einem Stammumfang von einem Meter nicht mehr willkürlich gefällt werden, wie die Grünwalder Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung festlegten. Bauträger und Privatleute brauchen eine Sondergenehmigung, ohne sie droht ein stattliches Bußgeld, Ersatz muss gepflanzt werden (wir berichteten).

In Bausch und Bogen lehnte Dieter Aulenbacher (PBG) die neuen Bestimmungen ab: "Das schafft mehr Bürokratie und bestraft die Einwohner." Die Verordnung lässt eine Reihe von Ausnahmen zu, etwa bei Krankheitsbefall, Altersschäden, Missbildung, oder wenn "die gewerbliche Nutzung des Grundstücks unzumutbar beeinträchtigt wird". Außerdem müssen Bestand und Nutzbarkeit von vorhandenen Gebäuden ausreichend gewährleistet sein.

In der Sitzung plötzlich interessant, nachdem während der Diskussionen in den vergangenen zwei Jahren nie der Rede Wert: Der Schattenwurf allein reicht nicht aus, um den missliebigen Baum zu entfernen. Laut Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) dient die Klausel dazu, willkürlichen Auslegungen vorzubeugen, wann und wie weit nämlich ein Baum Schatten werfen darf.

"Licht, Luft und Sonne auch legitim"

Dieses Detail störte Gemeinderat Jens-Peter Oldenbourg (PBG) so sehr, dass er einen Antrag auf Streichung stellte: "Baumschutz ist wichtig, aber die Werte der Wohnqualität müssen ebenso verankert werden." Der unterschiedlichen Struktur der Grünwalder Ortsteile werde im Übrigen keine Rechnung getragen. Große Laubbaumkulissen würden zur Fällung nicht freigegeben auf Grundstücken mit überproportional hohem Bestand. Der Gemeinderat müsse der Funktion des Wohnens Priorität verschaffen. Eine Baumverschattung mindere, so Oldenbourg, die Lebensqualität und -hygiene. "Licht, Luft und Sonne sind auch legitim."

Oldenbourg habe sich als Architekt selbstverständlich immer aktiv für den Baumschutz eingesetzt. Sein Einsatz für die "Wohnhygiene" blieb jedoch wirkungslos. Die Streichung der Passage unter Paragraph fünf der Verordnung fand keine Mehrheit, die Mandatsträger lehnten mit 12:9 Stimmen ab. Auch der Wunsch von Ingrid Reinhart Meier (GW Liste) blieb ungehört, den Stammumfang für schützenswerte Bäume von einem Meter auf 80 Zentimeter zu reduzieren.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unbekannte Tote in Isarkanal entdeckt: Polizei bittet um Hinweise - Achtung, verstörende Fotos
Unbekannte Tote in Isarkanal entdeckt: Polizei bittet um Hinweise - Achtung, verstörende Fotos
Coronavirus im Landkreis München: 30 neue Infektionen - Weitere Schulen betroffen
Coronavirus im Landkreis München: 30 neue Infektionen - Weitere Schulen betroffen

Kommentare