Konzert der Freien Evangelischen Gemeinde

Verzauberte Tagträume

Ein Konzert der Sonderklasse spielten der Klarinettist Oliver Klenk und die Harfinistin Veronika Ponzer.

Von Arno Preiser

Ottobrunn – Mit extrem seltenen Klangmischung bescherte das Münchner Duo Oliver Klenk (Klarinette) und Veronika Ponzer (Harfe), das unter anderem auf internationalen Festivals auftritt, den etwa 150 Besuchern der Freien evangelischen Gemeinde ein Konzert der Sonderklasse.

Drückten in der Pause Musikfreunde ihre Begeisterung mit Worten wie „Hier wird großartige Arbeit geleistet“ aus, so sagte Pastor Andreas Müller bei der Verabschiedung: „Danke für euer Spiel, das mich verzaubert hat.“ „Tagträume“, so der Titel des Konzerts, passte zu allen Stücken, naturgemäß Bearbeitungen.

Was die Akustik betrifft, schuf das Architektenteam, dessen neuartige Münchner Herz-Jesu-Kirche wie ein Magnet wirkt, mit dem hohen Raum samt Satteldach einen Holzbau, geradezu ideal zur Nutzung auch als Konzertsaal. Daher konnte das preisgekrönte Duo, das im freien evangelischen Gemeindezentrum schon 2014 nach der Einweihung gastierte, ein faszinierendes Klangspektrum entfalten.

Weihnachtlich die Umrahmung: Im Nebenraum spielte der Klarinettist die „Procession“ des Knabenchors aus Benjamin Britten‘s Zyklus „A Ceremony of Carols“ und trat dann aufs Podium, von der Harfenistin, die Originalbesetzung, begleitet. Später gestaltete diese „Interlude“ als klangvolles Andante pastorale. Das Duo endete mit „Recession“ (Schlussgesang). Wechselten sich Klarinettist und Harfenistin in der Melodie von „Maria durch ein Dornwald ging“ bedächtig ab, so gefiel das Salzburger Kindelwiegelied „Still, still, still“ als stimmungsvolle Stubnmusi. Dem Beifall dankte das Duo mit „Mariä Wiegenlied“ als Zugabe, ansprechender Beitrag zu Regers 100. Todestag. Wiederum weitete sich das Spektrum der Klangfarben vor allem auch zum Elegischen, so bei der Suite „Algen“ des Harfenisten Bernard Andrès mit teils durchdringenden Holzbläser-Passagen und zarter Harfe. Den „Blütenstaub“, ein Solo der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, stellte Klenk teils pfeifend vor und nutzte einmal mehr tiefe und hohe Register. „Nüancen“ von Marc Berthomieu boten gefühlvolles, doch kaum übersteigertes „Pathetico“, entspanntes „Lascivo“, elegisches „Idillico“, „Exotico“ im Rhythmus des Tamborito-Tanzes aus Panama und „Dolcissimo“ in Bläser- und Arpeggio-Klang. Was an iberischer oder kubanischer Folklore fehlte, bot das Duo mit Kostproben wie de Falla‘s „Asturiana“ und Ravel‘s „Vocalise en forme de Habanera“. Auch meisterte es die Schwierigkeit von Bachs „Sonate“ C-Dur BWV 1033: Klenk ersetzte die originale Flöte durch leuchtend-beredte Klarinette, Ponzer machte das Cembalo durch silbrige Harfe vergessen.

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