Armutsbekämpfungsplan des Landkreises soll helfen

Armut im Speckgürtel

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Vielen Menschen ist das Leben im Landkreis zu teuer geworden. Rentner, Alleinerziehende, Geringverdiener, Hartz-IV-Empfänger – sie alle kämpfen mit hohen Mieten und Lebenshaltungskosten.

Landkreis – Staatliche Stellen müssen ihnen helfen, um über die Runden zu kommen. Nach Angaben des Münchner Landratsamtes waren im Oktober 4277 Bedarfsgemeinschaften im Landkreis auf Grundsicherung für Arbeitssuchende angewiesen. Dies entspricht 8416 Personen. Grundsicherung im Alter bekamen im vergangenen Jahr 1608 Menschen, davon 904 Frauen.

Anders als in anderen Regionen sei nicht der Arbeitsmarkt das Problem, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) – die Arbeitslosenquote im wirtschaftsstarkten Landkreis ist überdurchschnittlich niedrig. Der Grund, warum viele in die Armut abrutschen: „Wir haben sehr hohe Wohn- und Lebenshaltungskosten“, so Göbel. Kreisrätin Johanna Hagn (SPD) sagte, die Renten würden in vielen Fällen nicht ausreichen, um im Landkreis zu leben. „Bei uns gibt es die große Alterarmut.“

Vor acht Jahren hat der Landkreis einen Plan erstellt, um die Armut in Städten und Gemeinden zu bekämpfen. Vertreter der Verwaltung, von Wohlfahrtsverbänden und der Parteien haben ihn vor zwei Jahren um konkrete Maßnahmen ergänzt. Nun hat Landratsamt-Sozialplanerin Michelle Flohr den Mitgliedern des Sozialausschusses in der jüngsten Sitzung den Status quo berichtet. Von 70 Maßnahmen ist die Hälfte umgesetzt. 37 Prozent haben die Mitarbeiter des Landratsamtes angegangen. Davon soll die Hälfte heuer noch fertig werden. Der Plan könne man bis 2020 abschließen, sagte Flohr. „Das heißt aber nicht, dass das Thema Armut abgeschlossen ist.“

Eine umgesetzte Maßnahme: Die sogenannte aufsuchende Sozialarbeit für Senioren ist von 1,5 auf vier Stellen ausgeweitet worden. Die Mitarbeiter suchen ältere Menschen gezielt auf. Hintergrund ist, dass Senioren sich oft nicht an Ämter wenden wollen oder können, weil sie sich schämen oder gesundheitlich nicht in der Lage sind. Eine andere Maßnahme: Der Landkreis finanziert Kindern von einkommensschwachen Eltern Freizeitaktionen wie Ferienfahrten.

Dagegen stecken 13 Prozent des Armutsbekämpfungsplanes noch in der Entwicklungsphase. Es handelt sich dabei vor allem Maßnahmen, die Armutskarrieren – damit sind längere Armutsperioden im Lebenslauf gemeint – präventiv verhindern sollen. Darunter fällt zum Beispiel der Aufbau eines Seniorennetzwerkes.

Mit diesem Themenfeld müsse man sich noch systematisch beschäftigen, sagte Göbel. Man werde sich frühzeitig etwas überlegen müssen. Geplant ist, sich um den Komplex im kommenden Jahr schwerpunktmäßig zu kümmern.

rat

Rubriklistenbild: © dpa / Armin Weigel

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