Acht Bratschen und ein Piano machen das Ensemble „bracc!“ aus. Foto: Gefö

Das vielseitige Können der Bratsche

Unterföhring - Mal da ein kleines Pling, dann ein seufzendes, kaum hörbares Säuseln und zwischendrin eine kleine, aufrüttelnde Kaskade - als Bratsche hat man's nicht leicht. Als Bratscher auch nicht - und doch stellte das Ensemble „bracc!" mit acht Bratschen und einem Piano genau dieses Instrument in den Mittelpunkt ihres Konzerts.

Schließlich hat diese Geige „einen unbezwingbaren Mitteilungsdrang“, hieß es und genau das wurde im Unterföhringer Bürgerhaus unterhaltsam und meisterlich unter Beweis gestellt. Nein, die Bratsche kann nicht nur vor sich hin säuseln und in der Menge der anderen Instrumente ein bemitleidenswertes, fast untergehendes Dasein fristen. Sie kann eigenständig Musik machen. Und zwar vom Feinsten und mit erstaunlicher Vielfalt.

Davon war auch „bracc!“ überzeugt und flugs träumten sich die brillianten Musiker der Münchner Philharmoniker hinein in Kangwelten, die mit enormer Unterschiedlichkeit aufwarteten. Dass die Bratsche bei Robert Schumanns romantischer „Mondnacht“ eine gute Figur machen würde, das war abzusehen. Doch bei der wahrlich atemberaubenden Rasanz von Rimsky-Korsakovs „Hummelflug“ stand zeitweise zu befürchten, dass sich die eine oder andere Bratsche womöglich selbst überholt. So schnelle Hummeln erlebt man nicht in freier Natur und auch auf Konzertbühnen dürfte dieses Tempo Seltenheitswert haben. Nicht minder temporeich und dabei mitunter auch ein wenig aufmüpfig knöpften sich die Bratschen Bachs „Chromatische Fantasie“ vor.

Doch es ging nicht nur ums Tempo als Bratschen-Herausforderung. Rassiger Tango, mystische Klänge von Josquin Desprez, ein erotisches „Je t’aime“ oder Led Zepplin- und Queen-Sound - alles kein Problem für eine vielseitig talentierte Bratsche, die auch gerne den Versuch eines E-Gitarren-ähnlichen Abenteuers wagt - wenn man sie nur lässt.

Wer hätte gedacht, dass in einer Bratsche so viel stecken kann. Alle, die das nicht gewusst hatten, bekamen in Unterföhring einen spannenden Nachhilfekurs. Und die, die es ahnten oder gar wussten, hatten bei so viel Wandlungsfähigkeit gar keine Zeit, sich überlegen lächelnd zurückzu-lehnen. Staunen war für alle vorprogrammiert und der Bratsche wurde endlich der Lohn zuteil, den sie verdient hat: begeisterter Applaus. mf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner überfährt rote Ampel in Haar - doch dabei bleibt es nicht
Den richtigen Riecher hatte eine Haarer Polizeistreife, die einen Autofahrer in Haar stoppte. Der Mann war über eine rote Ampel gefahren - und hatte etwas zu verbergen.
Münchner überfährt rote Ampel in Haar - doch dabei bleibt es nicht
Ersterschließung: Brunnthaler werden vorerst nicht abkassiert
Soll die Gemeinde die Ersterschließung von Altstraßen vorantreiben und die Kosten von den Anwohnern abkassieren oder nicht? Darüber ist am Donnerstagabend im Gemeinderat …
Ersterschließung: Brunnthaler werden vorerst nicht abkassiert
Gemeinde Haar schaut beim BND-Gelände in die Röhre: Hacker folgen auf Spione
Die Gemeinde Haar hätte gerne das BND-Gelände an der Wasserburger Straße übernommen. Doch jetzt hat sich schnell herausgestellt: Daraus wird nichts.
Gemeinde Haar schaut beim BND-Gelände in die Röhre: Hacker folgen auf Spione
„Der Blick fürs Wesentliche wird geschärft“ Drei Bergführer berichten wie ihr Hobby zu einer Berufung wurde
Vor genau 50 Jahren, am 15. Februar 1969, ist in München der Verband deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) gegründet worden. Zum Jubiläum porträtieren wir drei …
„Der Blick fürs Wesentliche wird geschärft“ Drei Bergführer berichten wie ihr Hobby zu einer Berufung wurde

Kommentare