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Ausverkauft: 600 Gäste besuchen die Lachnacht im Saal des Unterföhringer Bürgerhauses.

Dritte Unterföhringer Lachnacht

Ansteckend offenherzig

Unterföhring - Sie hat längst ihr begeistertes Stammpublikum gefunden – die Unterföhringer Lachnacht. So traten bei der dritten Lachnacht vier Comedians vor 600 Gästen im Bürgerhaus auf.

Auch heuer war die Stimmung ganz famos. Matthias Seling, Vera Deckers, Matthias Brodowy und Alain Frei – und haben den Saal zum Toben gebracht. Moderator Ole Lehmann, Hamburger Comedian, DJ und Musicaldarsteller, verwandelte schon die Moderation in eine fetzig-frivole Stand Up Comedy. Apropos fetzig–frivol: Der ganze Abend stand im Zeichen köstlicher Frivolitäten. 

Ole Lehmann feierte offenherzig sein Leben als Schwuler, und der Schweizer Alain Frey ließ sich über eklatante Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen beim Sex aus. „Frauen sind dabei schön, sie spielen mit ihren Haaren und haben die Augen geschlossen. Der Mann sieht dagegen aus, als ob ihm schlecht ist. Vermutlich lassen die Frauen gerade deshalb die Augen zu.“ 

Die Zunft der Psychologen

Vera Deckers, im wahren Leben Psychologin, nahm ob der präzisen Bezeichnung bestimmter Körperteile genussvoll die verhaltenen Reaktionen der Unterföhringer aufs Korn. Aber auch ihre eigene Zunft machte sie zur Zielscheibe. „Ich bin ja Psychologin, aber ich hab den Ausstieg geschafft. Der Beruf ist ja sowas von belastend, den ganzen Tag redest du über Beziehungsprobleme, Vereinsamung, Kindheitsprobleme, und dann haben die Patienten auch noch ihre eigenen Probleme.“ 

Ist Wienerisch arrogant?

Matthias Seling, der Wiener, Kölner und Berliner zugleich ist, freut sich über die unglaubliche Sauberkeit der Landeshauptstadt. „München ist so sauber, da fliegen sogar die Tauben zum Scheißen woanders hin.“ Mit Hingabe widmete er sich den Dialekten: Der Wiener sei grundsätzlich schlecht gelaunt, der Kölner Dialekt eine sexuelle Belästigung und das Sächsische einfach schmerzhaft, weil der Sachse nie glücklich, sondern immer irgendwie angepisst sei. Er räumte mit dem Klischee auf, dass das Wienerische arrogant ist: „Nein, das Wienerische ist gekennzeichnet von kompletter Verachtung für die gesamte Menschheit.“ 

Die Nase voll von Klischees hat auch Alain Frey, den die Reaktion amüsiert, sobald jemand hört, dass er Schweizer ist. Meistens komme dann ein leise aufstöhnendes „Oh die Schweiz“. 

Das Hannoveraner Multitalent Matthias Brodowy, der als Letzter auftrat und auch Lieder sang, nahm das Schubladendenken der Deutschen aufs Korn. „Hier wird ja wie in keinem anderen Land genau unterschieden zwischen Kabarettist und Comedian. Die Deutschen müssen alles in eine Schublade packen, um etwas gut oder schlecht finden zu können. Ich aber bezeichne mich als Vertreter für gehobenen Blödsinn.“ Und er gab dem fröhlich applaudierenden Publikum mit: „Machen Sie mehr Blödsinn“.

Jutta Oesmann

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