Ungewohntes Interesse an einer Gemeinderatssitzung. In Oberhaching verfolgen ungewöhnlich viele Bürger die Debatte über Flüchtlingsunterkünfte. Foto: birgit Davies

Vier Vorschläge

Oberhaching - Standorte für Flüchtlingsunterkunft

Oberhaching - Selten war eine Sitzung des Gemeinderates so gut besucht. Über 100 Oberhachinger drängten sich im großen Sitzungssaal des Rathauses, um aktuelle Informationen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Oberhaching zu erhalten. Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) berichtete, dass das Landratsamt vor zwei Wochen auf die Gemeinde zugekommen ist mit der Bitte, Standorte für Notunterkünfte zu prüfen.

Wie Schelle erklärte, ist die Entscheidung über Asyl grundsätzlich eine Aufgabe des Staates. Jedoch müssen die Menschen, während ihr Asylantrag überprüft wird, untergebracht werden. Da die Flüchtlingsströme nicht abreißen, sind die Behörden an ihren Grenzen angelangt und es gibt immense Unterbringungsprobleme. „Die Weltpolitik kommt vor unserer Haustür an“, meinte Schelle. Nach dem Königsteiner Schlüssel werden die Asylbewerber auf die Bundesländer und anschließend die Bezirke und Kommunen verteilt.

Für Oberhaching bedeutet dies, dass nach derzeitigem Stand 146 Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. „Es ist ein Gebot der Solidarität dem Landkreis und den anderen Kommunen gegenüber“, betonte Schelle. Im Augenblick sind 19 Asylbewerber in dezentralen Unterkünften Am Büchl und in der Bahnhofstraße. Geplant ist zudem, in nächster Zukunft ein Quartier auf dem Grundstück des Caritas Alten- und Pflegeheims St. Rita für 50 Personen zu bauen. Damit ist das Soll jedoch nicht erfüllt und so steht zur Überlegung, eine Traglufthalle zu errichten. Auch die örtlichen Turnhallen wurden als Übergangslösung geprüft, doch bis auf die Halle der Deisenhofener Grundschule, kommt keine andere in Frage, wobei auch diese nicht besonders gut geeignet ist und vor allem im Sanitärbereich nachgerüstet werden müsste.

So untersuchte die Gemeinde eigene Grundstücke, die die notwendige Größe sowie entsprechende Erschließungsmöglichkeiten bieten. Zudem soll der Standort in der Nähe einer Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sein, damit die Menschen beispielsweise das Landratsamt oder Sprachkurse in der Stadt erreichen können. In Betracht kommen eine Fläche an der Schulstraße gegenüber der Kirche von St. Bartholomäus, ein Grundstück direkt an der S-Bahnhaltestelle Furth sowie eine Teilfläche im Gewerbegebiet auf Höhe der Baustelle der Gemeindewerke Oberhaching. Leo Reiter (SPD) regte an, bei letzterem Vorschlag die Traglufthalle auf demselben Grundstück in Richtung der Kita Bajuwarenring zu verschieben, da dadurch die Flüchtlinge leichter zum Einkauf kommen würden. Die zusätzliche Standortmöglichkeit wurde aufgenommen. Karl-Heinz Kirsch (WGO) fragte nach, ob die Gemeinde in den Betrieb der Traglufthalle finanziell eingebunden werden würde. Darauf sagte Schelle, dass die Gemeinde finanziell nicht gefordert sei, weder bei Betrieb noch Betreuung. „Doch natürlich können wir Hilfestellung leisten und der Helferkreis Asyl ist sehr rege.“

Margit Markl (SPD) schlug vor, zusätzlich Container zu errichten, damit die Menschen selbst kochen können, da das in den Hallen nicht möglich ist. Dazu berichtete Isabell Trapp (CSU), Mitinitiatorin des Helferkreises, dass die Flüchtlinge von einem Cateringunternehmen versorgt werden. Johannes Ertl (WGO) meinte, dass Oberhaching mit einer Halle für 200 Personen sein Soll nun deutlich erfüllt hätte. Dazu sagte Schelle, dass sich die Suche des Landratsamts nach geeigneten Immobilien schwierig gestaltet. Eine Traglufthalle wird Oberhaching nicht von weiteren Projekten entbinden. „Wir müssen als Kommune das Notwendige tun, um Not abzuwenden“, betonte er. Monika Straub (Grüne) erinnerte an die christlichen Werte in der Gesellschaft, die zur Hilfe verpflichten. Dem stimmte auch Michael Thaller (CSU) zu: „Hier kommen Menschen an, die schnelle Unterstützung brauchen. Sicher sind Traglufthallen nicht optimal, da müssen wir überlegen, wie man weitermachen kann.“ Einstimmig entschied das Gremium, die vier in Betracht gezogenen Flächen dem Landratsamt gleichrangig anzubieten. Birgit Davies

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