Im Vogelschutzgebiet Speichersee: Abschussgenehmigung für 100 Graugänse

Aschheim - Wenn am Dienstag die Sonne aufgeht über dem Aschheimer Speichersee - dann sind die Stunden gezählt für etwa 100 Graugänse und den Frieden im Vogelreservat:

Völlig überraschend teilte der Leiter der Unteren Jagdbehörde des Landratamts München dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Montag um 14.30 Uhr telefonisch mit, dass die Abschussgenehmigung für die Graugänse erteilt wurde – in der Schonzeit.

Der Speichersee genießt als Internationales Vogelschutzgebiet höchste Schutzkategorie und ist ein wichtiger Rastplatz für den europäischen Vogelzug. Der LBV – total überrascht von der Entscheidung – schlug Alarm: „Der Vogelzug hat schon begonnen. Am Speichersee rasten derzeit streng geschützte und seltene Arten wie Fisch- und Seeadler, Reiher und Enten. Wenn dort geschossen wird, ist der Schaden immens“, wettert Heinz Sedlmeier, Chef des Münchner LBV.

Die Abschussgenehmigung gilt allein den Graugänsen, weil sie die nun ausgesäte Wintergerste von den Feldern fressen. Der LBV wurde dazu vor Wochen um eine Stellungnahme gebeten und empfahl, die Felder gründlichst zu pflügen und Flatterleinen als Vogelscheuchen aufzustellen. Die norddeutschen Gänse jedenfalls zeigen sich davon seit vielen Jahren beeindruckt und verschonen diese Felder.

Die süddeutschen Gänse dagegen sollen nun mit Blei erlegt werden. „Wenn die Adler diese Kadaver fressen, gehen sie elendig an einer Bleivergiftung ein. Das ist leider keine Seltenheit“, erläutert Sedlmeier. „Am Speichersee rasten zudem rund 10.000 Reiherenten, die noch in der Mauser sind. Die geraten bei Schüssen in Panik, weil sie nicht fliehen können.“ Zudem sahen die LBV-Beobachter in den letzten Tagen streng geschützte Silber- und Seidenreiher, Tafelenten, Singschwäne, Große Brachvögel, Kiebitze und Blässgänse, die auf ihrem Flug gen Süden am Speichersee rasten und sich ein Fettpolster anfressen müssen. Werden sie jetzt gestört, zerstreuen sie sich in alle Winde. Dann fehlt ihnen später die Kraft für ihre lange Reise.

Sedlmeier hat als Reaktion auf das Telefonat am Montag seinen Posten als stellvertretender Jagdbeirat beim Landratsamt München niedergelegt. Eine Sprecherin des Landratsamtes erklärte am Abend überraschend, der zuständige Abteilungsleiter „habe noch nichts entschieden und werde sich den Entwurf ansehen“. Ein Silberstreif am Horizont?

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