"Volleyball ist kein Randsport, sondern Volkssport"

- Roland Dürre engagiert sich beim TSV nicht nur als Geldgeber

Unterhaching - "Wenn wir drei wie wie ihn hätten, wären wir wesentlich weiter", sagt Unterhachings Volleyballtrainer Mihai Paduretu über Roland Dürre, den sportbegeisterten Vorstand von TSV-Sponsor Interface AG und TSV-Sponsor. Über dessen Engagement, das sich nicht auf das Ausstellen von Schecks beschränkt, aber auch über Zukunftssorgen und -chancen der Volleyballer sprach der Münchner Merkur mit dem 53-jährigen Vater von sieben Kindern.

Ihre Firma ist Trikotsponsor, Sie helfen dem Verein neben der finanziellen Unterstützung aber auch auf andere Weise. Dürre: Wir stellen dem TSV Unterhaching Firmen-Ressourcen kostenlos zur Verfügung, versuchen bei einer Professionalisierung im Umfeld mitzuhelfen. Und wir geben bei anderen Unternehmern Referenzen, indem wir sagen, dass es sich hier um ein gesundes Projekt handelt, das in kaufmännischer Hinsicht grundsolide, ja ein Musterbeispiel an Seriosität ist. Auf welche Hindernisse stoßen Sie, wenn Sie andere Unternehmer für den TSV gewinnen wollen?

Dürre: Ein Problem ist, dass Volleyball als Randsportart gilt. Vielen, gerade großen Unternehmen, geht es um Fernseh-Sichtbarkeit. Die führenden Köpfe in solchen Firmen wollen eine Messbarkeit ihres Nutzens als Sponsor, wobei man lange philosophieren könnte, ob das überhaupt möglich ist. Ich denke jedenfalls, es ist Unsinn Und generell ist natürlich die Wirtschaftslage ein Problem. Viele können nicht so, wie sie wollen.

Warum würden Sie dennoch ein Engagement empfehlen?

Dürre: Zum einen würde ich Volleyball nicht als Rand- sondern als Volkssport bezeichnen, der wirklich überall betrieben wird, wo man hinkommt, mit der Bundesliga als Spitze einer ganz tiefen Basis. Dann habe ich bei den Übertragungen von der Europameisterschaft im September festgestellt, dass dieser Sport fernsehgerechter ist als Eishockey oder Tennis. Und die Fernsehpräsenz hat sich ja schon verbessert, auch wenn da noch viel passieren kann. Vor allem aber ist es für Unternehmen aus der Region München doch super, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft so ein engagiertes Team wie der TSV kaufmännisch solide arbeitet. So etwas kann man als Unternehmer glaubwürdig unterstützen. Derzeit ist aber immer noch unklar, wie das letzte Drittel des Etats für die Saison 2004/2005 finanziert werden kann. Glauben Sie noch daran, dass der TSV erneut ein Bundesliga-Team meldet?

Dürre: Die Chancen stehen nicht schlecht. Es ist halt die Frage, ob der Anspruch von Trainer Mihai Paduretu, wieder an der Spitze mitzuspielen, erfüllt werden kann. Aus meiner Sicht wäre es in Ordnung, mal eine Saison in der hinteren Hälfte zu überbrücken. Und das müsste wohl in jedem Fall zu finanzieren sein. Die nächste Saison zu überbrücken, wäre vor allem deshalb so wichtig, weil danach schon die neue Halle stehen soll, von der sich der Verein so viel verspricht. Sie auch?

Dürre: Auf der einen Seite geht es darum, bis zur Fertigstellung der neuen Halle durchzuhalten, aber parallel dazu auch ein stabiles, langfristig tragbares Konzept zu entwickeln. Ich kann mir den TSV durchaus einmal als Kristallisationspunkt verschiedener Firmen vorstellen. Dazu ist die neue Halle übrigens eine unabdingbare Voraussetzung. Mit seriösen Unternehmern kann man nicht in die Gymnasiumsturnhalle gehen. Allein eine sinnvolle Art der Kommunikation ist dort überhaupt nicht möglich. In der neuen Halle wird dafür hingegen wunderbar gesorgt sein.

Sie sehen also eine dauerhafte Chance für den Volleyball in Unterhaching?

Dürre: Wir haben eine Riesenchance. Man kann immer besser wachsen, wenn man klein ist. Und wir sind in einer Marktnische, deren Erfolg kommen wird, da bin ich sicher. Da ist es doch schön, mich jetzt dort festsetzen zu können. Vielleicht kann man sogar sagen: Volleyball ist ein Geheimtipp für die Zukunft.

Das Gespräch führte Umberto Savignano

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