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Winterimpression: 25 Kinder und fünf Integrationskinder besuchen das Haus Am Weiher. Das Jugendamt fordert bei dieser Belegung dringend weitere Räume. An den kalkulierten Baukosten von 450 000 Euro scheiden sich die Geister der Stadträte.

Waldorf-Integrationskindergarten muss anbauen

Therapieraum: Pläne zu teuer

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Der Waldorf-Integrationskindergarten in Unterschleißheim braucht dringend mehr Platz. Für die Zahl der Kinder, die derzeit betreut werden, reichen die Räumlichkeiten in dem Haus „Am Weiher“ nicht mehr aus.

Ein neuer Therapieraum muss her. Doch mit dem ersten Entwurf für den geplanten Anbau, den die Architekten in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses vorgestellt haben, konnten sich einge Stadträte so gar nicht anfreunden. Hauptkritikpunkt: die „immensen“ Kosten.

450 000 Euro veranschlagt das Landshuter Architekturbüro Wager, Gärtner und Knoch für den Neubau mit einer Gesamtfläche von rund 55 Quadratmetern. Geplant ist ein separater Holztafelbau mit Therapieraum, Lagerraum und Behinderten-WC, der durch einen Flur an das Bestandsgebäude angedockt wird. Dafür muss allerdings eine Sickerrigole ausgehoben und versetzt werden, was in der Kostenkalkulation mit 125  000 Euro zu Buche schlägt. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für den Umbau des bestehenden Personal-WC und die Elektroinstallation. Zudem soll im Rahmen der Baumaßnahmen der Sanitärbereich im jetzigen Kindergartengebäude saniert und modernisiert werden. Der Träger des Kindergartens ist der eingetragene Verein Waldorf-Integrationskindergarten Schleißheim e.V..

„So wie es jetzt läuft, wäre der Integrationskindergarten nie genehmigt worden.“

Dass der Anbau dringend notwendig ist, daran lässt die Leitung des Waldorfkindergartens keinen Zweifel. Derzeit betreuen die Erzieherinnen 25 Kinder und fünf mobilitätseingeschränkte Kinder, sogenannte Integrationskinder. Doch die Räumlichkeiten sind darauf nicht ausgelegt. Der bestehende Kindergarten verfügt derzeit über einen Gruppenraum und einen Intensivraum. Beide werden als Spiel- und Schlafräume genutzt. Aus Platzgründen finden die Therapien der Integrationskinder jedoch ebenfalls im Intensivraum statt.

Nun hat sich das Jugendamt bei der Kindergartenleitung gemeldet. Die Nachricht war unmissverständlich. „So wie es jetzt läuft, wäre der Integrationskindergarten nie genehmigt worden,“ erzählt Ulrike Mergarten, die Leiterin des Kindergartens. Ursprünglich ausgelegt war der nämlich für deutlich weniger Integrationskinder. „Wir brauchen daher dringend den zusätzlichen Therapieraum“, sagt Ulrike Mergarten. „Wenn wir den haben, können wir unser Konzept weiterführen.“

In der Bauausschusssitzung waren sich die Stadträte auch grundlegend einig darüber, dass der Integrationskindergarten als solcher auch bestehen bleiben soll. Im Haushalt für das Jahr 2017 hatte die Stadt daher auch schon 415 000 Euro für den Bau vorgesehen. An den vom Planer kalkulierten, 450 000 Euro schweren Baukosten schieden sich nun allerdings die Geister.

„Wir bewegen uns hier fast schon im Rahmen der Elbphilharmonie.“

„Es erscheint zwar als teure Lösung, aber entweder wir sagen, wir wollen keinen Integrationskindergarten mehr oder wir nehmen das Geld in die Hand“, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD), der den Architekten-Entwurf befürwortete. Von Seiten der CSU und der Freien Bürgerschaft Unterschleißheim (FB) hagelte es hingegen Kritik.

„Wir bewegen uns hier fast schon im Rahmen der Elbphilharmonie“, sagte FB-Stadtrat Martin Reichart. „450 000 Euro für 55 Quadratmeter Kindergarten kann man nicht einfach abnicken. Wir gehen hier mit Steuergelder um.“ Und Thomas Bittner von der CSU räumte angesichts des „immensen Preises“ ein: „Wenn ich mir das so anschaue, bin ich froh, schon letztes Jahr gebaut zu haben.“

Einfach abnicken wollten die Stadträte den Entwurf letztlich nicht. Der Tagesordnungspunkt wurde nach ausgiebiger Diskussion zurückgestellt und die Stadtverwaltung damit beauftragt, die veranschlagten Baukosten zu überprüfen. Ein Kompromiss, den auch Leiterin Ulrike Mergarten nachvollziehen kann. „Ich kann gut verstehen, dass bei dem Preis nicht alle sofort ’Hurra’ geschrien haben“, sagt sie. „Die Investition ist es aber wert.“ Mergarten schwebt nun eine „abgespeckte Version“ vor. Auch mit der könne sie leben, solange der Therapieraum gebaut wird: „Der ist lebensnotwendig für uns.“

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