Im modernisierten Chemiesaal: Albrecht von Mutius. Foto: agm

Waldorschule plant Stiftung für Schüler aus weniger betuchtem Elternhaus

Ismaning - Für einige Schülereltern und viele Ismaninger ist Albrecht von Mutius (57) noch immer der „Neue". Dabei ist der Geschäftsführer der Waldorfschule Ismaning schon zehn Monate an der Rudolf-Steiner-Schule tätig. Erlebnisreiche Monate.

Zehn Monate ist Albrecht von Mutius in einem Amt, das mit seinem bisherigen Spezialgebiet, systemische Finanzplanung und Finanzwirtschaft, nicht mehr so viel zu tun hat. Jetzt kann er endlich ein Finanzwesen mit ethischen Grundsätzen und einem „Wertehintergrund“, wie von Mutius es ausdrückt, verbinden.

Das System der Waldorfschule ist ihm nicht fremd. Über seine zwei Töchter gehörte er dem Finanz-Arbeitskreis der Waldorfschule Augsburg an. Hier lebt die Familie seit zehn Jahren. Seine Frau arbeitet am Klinikum Großhadern als Biologin.

Der Tag des Geschäftsführers beginnt morgens um 4 Uhr. Da geht er in sein privates Fitnessstudio und bringt den Kreislauf in Schwung. Für sein Hobby Wandern bleibt dann das Wochenende. Einen Fernseher brauche er nicht: „Da verplempert man zu viel Zeit. Die fehlt nur zum Lesen und unterhalten.“

In der neuen Arbeitsstelle fühlt er sich sehr wohl. Allerdings musste er sich schon daran gewöhnen, gibt er schmunzelnd zu, dass Entscheidungen länger dauern. Das bringe eine Selbstverwaltung, in der alle Arbeitskreise und Vorstände mitreden und es an Hierarchien fehle, eben mit sich. Aber das sei auch das besondere an der Schule und der Arbeit: „Der wertschätzende Umgang miteinander.“ Dies erlebe er besonders intensiv in Ismaning. Auseinandersetzungen werden sachorientiert geführt, und im Mittelpunkt stehe immer der einzelne Schüler. Um jeden einzelnen der 438 Buben und Mädchen bemühe man sich intensiv in der Schule, die in drei Jahren ihr 30-jähriges Bestehen feiern kann, schwärmt von Mutius. Außerdem gehören der Schule derzeit 47 Lehrer und 33 Mitarbeiter an.

Von Mutius sieht zwei große Herausforderungen für seine Tätigkeit in den nächsten Jahren. Die Finanzierung der Schule, die auch auf dem Solidarsystem beruhe, müsse auf stabilere Füße gestellt werden. So soll eine Stiftung, beziehungsweise ein Förderverein gegründet werden, in der sich auch ehemalige Schüler und Eltern einbringen können. Damit will die Schule sichern, dass auch Schüler aus nicht einkommensstarken Elternhäusern aufgenommen werden können.

Sorge bereite auch die drohende Pensionierungswelle bei den Lehrern der Waldorfschule in den nächsten fünf Jahren. Hier gelte es, Pädagogen die Attraktivität einer Arbeit in der Waldorfschule zu vermitteln. Der Nachwuchsmangel bei Lehrern drohe nicht für die Waldorfschule Ismaning allein, sondern sei ein Thema, das man übergreifend im Waldorfschulverband angehen müsse. agm

Auch interessant

Kommentare