Wallfahrt zum St.-Anna-Fest in Staucharting

Sauerlach - Hunderte Bittgänger, eine Feldmesse unter bayrisch-blauem Himmel mit anschließender Pferdesegnung: Magische Momente im Deisenhofer Forst, gelebtes Brauchtum in schönster Vollendung. Wer nur irgend konnte, machte sich auf Wallfahrt zum St. Anna-Fest in Staucharting.

Mitten im Wald, an einer sonnendurchfluteten Lichtung, steht die kleine Waldkapelle St. Anna von 1692. Alljährlich am 26. Juli findet hier eines der schönsten Traditionsfeste anlässlich des Namenstages der Heiligen Anna statt. Sie ist die Großmutter Jesu und Mutter der Jungfrau Maria. Lang war der Zug der Bittgänger von St. Andreas über den Stauchartinger Weg bis in den Forst hinein. Höhepunkt ist die Feldmesse zu Füßen der kleinen Kapelle.

Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger hielt die Festpredigt. Konzelebranten waren der Geistliche Rat Lorenz Poschenrieder, Leiter des Kirchenverbands Sauerlach, Monsignore Wolfgang Bouché sowie der apostolische Protonotar Walter Wakenhut. Anhand einer kleinen Geschichte thematisierte der Weihbischoff Formen des Glaubens: „Ein Artist spannt ein Seil zum höchsten Haus und balancierte mit Schubkarre hinüber“, so der Geistliche. Jemand aus dem Publikum fordert eine Zugabe. Der Artist überlegt. Dann fragt er den Mann, ob er tatsächlich glaube, dass er dies erneut schaffe. „Ganz sicher“, kontert der Mann. „Dann setz' dich hinein“, sagt der Artist. „Wenn wir auf dem Hochseil des Lebens gehen, ist uns das Risiko oft nicht klar“, so Haßlberger. Erst wenn im Umfeld etwas Schlimmes passiere, werde dann die Möglichkeit des Fallens bewusst.

Die Bibel mache auf jeden Schritt aufmerksam, zeige, dass Gott uns halten kann. Deshalb die Lesungen in Gottesdiensten. „Ich wünsche ihnen allen, dass sie vom Fest nach Hause gehen, mit dem Vertrauen, dass Gott uns trägt“, sagte der Weihbischof.

Parallel zum Festgottesdienst treffen die Gespanne ein. Einige der prächtign Rösser wiehern. Zum Duft des Weihrauchs mischt sich Leder. Es dauert, bis die Wagen auf der Lichtung stehen. Wie im Vorjahr sind rund 120 Tiere hier. Auch Manuela Johannbauer ist mit ihren beiden Schwarzwälder-Kaltblutstuten gekommen. Ipsa und Mona heißen die Hübschen. „Die Rasse steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen“, erzählt die Halterin und Züchterin. Stolz berichtet sie von zwei kleinen Fohlen im Stall. Die Landwirtin aus Hornstein bei Deining ist hier jedes Mal dabei. Auch keinen Leonhardiritt lässt sie sausen. Ihre blumengeschmückte offene Kutsche ist eine Wagonette. Hinter dem Fahrersitz sind zwei gegenüberliegende Sitzbänke montiert. Ipsa und Mona zieren Fliegenhütchen aus Spitze.

Dann der mit Spannung erwartete Umritt. Dreimal fahren die Pferdewagen den Parcours, dreimal rund um die Kapelle. Das ist so Tradition. Weihbischof Haßlberger nimmt die Segnung vor. Den Rundkurs eröffnete wie schon im Vorjahr die berittene Polizei aus der Pferdestaffel in Riem. Unter den zahlreichen Zuschauern auch Landrat Christoph Göbel und Kerstin Schreyer-Stäblein (MdL). Sie ist das erste Mal hier. Beide zeigten sich jedoch von Feldmesse und Umritt beeindruckt. „Eine lebendige Verbindung von Tradition und Glauben: Solche Feste machen Bayern aus“, loben beide. Und gehen mit Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner zum gesellschaftlichen Teil des Festes über. kko

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