+
Festakt zur Einweihung der neuen Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen.

Einweihung

"Diese Schule setzt ein Zeichen"

Am Freitag ist nach sechs Jahren Bauzeit die neue Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen eingeweiht worden.

Taufkirchen -  "Manchmal wusste ich nicht, ob ich Schulleiter oder Bauleiter war“, schließt Rudolf Galata gestern seine Rede zur Einweihung der Walter-Klingenbeck-Schule, der Staatlichen Realschule Taufkirchen, ab. Inzwischen weiß er es wieder, kann sich nach sechs Jahren Planungs- und Bauzeit wieder auf seinen ursprünglichen Beruf als Lehrer konzentrieren.

Die Zeit als Wanderer zwischen zwei Welten hat sich gelohnt. Für Galata persönlich, weil er viel lernte, und für die Schule mit ihren 925 Schülern und 65 Lehrern, die nicht nur räumlich neu und perfekt dasteht, sondern nun mit einem neuen Konzept an den Start geht. Es war ein Experiment, auf das sich Galata im April 2009 einließ. Damals beschloss der Zweckverband Staatliche Realschule Taufkirchen, die erste Realschule des Landkreises nicht mehr zu erweitern und zu sanieren, sondern neu zu bauen. Galata sah darin die Chance, in einem neuen Gebäude ein neues Konzept des Lernens umzusetzen: Nicht mehr klassenweise, sondern in kleinen Gruppen, im Team lernen, kein Frontalunterricht mehr, den Schüler und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Nach diesem pädagogischen Konzept sollte die Schule gebaut werden.

Eine Herausforderung für Architekten, Planer, aber auch die Lehrer, Schüler und Eltern sowie die Vertreter der Gemeinden Unterhaching, Oberhaching und Taufkirchen im Zweckverband, der alles bezahlen musste. „Verhandlungen, Überzeugungsarbeit war nötig, aber überraschend ging alles leichter als ich gedacht hatte. Alle zogen mit. Wir Lehrer haben bei der Planung viele Ideen eingebracht. Wir haben viele Punkte umsetzen können. Wenn es diesen Zweckverband nicht geben würde, hätten wir diese Schule in dieser Form nicht bekommen“, ist sich Galata sicher.

Das Ergebnis sei eine „tolle Schule, die den heutigen Bedürfnissen entspricht, aber auch zukunftsweisend ist“, so Wilhelm Kürzeder, der Ministerialbeauftragte für die Realschulen. Nicht irgendeine Schule, sondern eine, die in Architektur und Pädagogik eine Symbiose einging, die einzigartig im Landkreis München sei und Modellcharakter hat. „Wir reden von einer Schule, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, die für die Zukunft gerüstet ist. Nichts ist hier dem Zufall überlassen: Idee, Gebäude, Menschen greifen ineinander, bilden eine höhere Einheit, so definiert man heute Schulphilosophie. Diese Schule setzt ein Zeichen.“

Ein Zeichen weit über die Region hinaus, wie Galata stolz berichtet. Nahezu wöchentlich kommen Delegationen aus ganz Deutschland und inzwischen auch aus dem Ausland, um sich zu informieren. Taufkirchen taugt zum Exportschlager. Und so waren alle voller Lob. Landrat Christoph Göbel fand: „Gemeinsam mit Taufkirchen können wir stolz sein auf diesen modernen und offenen Schulbau mit seinen flexiblen Klassenzimmern. Das rechtfertigt die Investitionen von 38,5 Millionen Euro für Schule, Dreifachturnhalle und Außenanlagen.“ Ulrich Sander, Taufkirchens Bürgermeister und Zweckverbandsvorsitzender, strich die „Aufgeschlossenheit der Schulleitung und des Kollegiums“ für ein neues Lernkonzept heraus, das ein erfolgreiches Beispiel dafür sei, dass auch Schule ein lernendes System sei. Und Architekt und Planer Benjamin Hardt unterstrich, dass er noch nie auf ein derart engagiertes Kollegium getroffen sei.

Galata selbst hat nicht mehr viel Zeit, das vollendete Werk zu genießen. Am 31. Juli geht er in den Ruhestand. Ablösefrei, wie er sagt. Er kann dann sein Modell von einer modernen Schule weitertragen.

Siggi Niedergesäß

Auch interessant

Kommentare