Warnung vor hohen Folgekosten

- Brief an Gemeinderäte zu Englwarting-Projekt

Brunnthal/Englwarting (sh) - Planer und Investoren preisen es als Bereicherung, Bürgermeister Stefan Kern (CSU) als Chance für die Gemeinde. Doch mit den Plänen für die Freizeitinsel Englwarting des Ottobrunner Unternehmers Hans Inselkammer geht auch Skepsis einher: So weist die Parteifreie Wählergruppe Brunnthal-Hofolding (PWB) unter Federführung des langjährigen Gemeinderats Werner Berleb in einem Schreiben an die Gemeinderäte auf die Risiken des Projekts hin. Sorge bereiten dem Vereidigten Buchprüfer, der die Planung des Landschaftsarchitekten Ralph Kulak analysiert hat, vor allem die hohen Folgekosten.

Konkret geht es um die Pflege der Grünanlagen und des künstlichen Badesees, die der Gemeinde übereignet werden sollen. So setzt Kulak die jährlichen Kosten mit 4300 Euro pro Hektar an. Berleb hat nun recherchiert, dass die Stadt München bei vergleichbaren Objekten mit mindestens 30 000 Euro pro Hektar kalkuliert. Außerdem verlange sie bei Schenkungen von Grünanlagen und Badeseen als Zusatzleistung die kapitalisierten Pflegekosten für 20 Jahre. "Im vorliegenden Fall macht das einen Betrag in Höhe von 7 900 000 Euro aus", rechnet Berleb hoch.

Doch schon die Bauphase bereitet dem früheren Gemeinderat Kopfzerbrechen. So müsste die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Brunnthal und Kirchstockach ausgebaut werden, da sie derzeit nur mit Fahrzeugen bis neun Tonnen befahrbar sei. Immerhin drohten während der Bauzeit rund 350 Lkw-Bewegungen pro Tag.

Werner Berleb schlägt zur Minimierung der Risiken für die Gemeinde unter anderem vor, die Schenkung der Grünflächen und des Sees nicht anzunehmen, sondern deren Unterhalt und Pflege dem Investor zu überlassen. Zudem müsse auf dem Gesamtgrundstück eine Nutzungsbeschränkung auf Wochenendgrundstücke ohne das Recht zur dauernden Wohnnutzung eingetragen werden. Berleb befürchtet nämlich, dass bei mangelnder Nachfrage nach den in Englwarting geplanten Wochenendhäusern eine Umwandlung der Bebauung mit Doppelhäusern betrieben wird: "Anders kann sich die Investition nicht rentieren."

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