Das Wehr in Höllriegelskreuth wird modernisiert - und fischfreundlich umgebaut. Bei der Gelegenheit baut Bayernwerk Natur hier ein kleines Wasserkraftwerk. Foto: AK

Wasserkraftwerk hat Potenzial

Baierbrunn - Die Gemeinde Baierbrunn will sich, wie Bürgermeisterin Barbara Angermaier (BIG) bei der Gemeinderatssitzung sagte, „energietechnisch weiterentwickeln“.

Baierbrunn - Der Gemeinderat überlegt, nicht nur, wenigstens die größeren Unternehmen am Ort an die Geothermie in Pullach anzuschließen. Sie will sich unter Umständen auch an einem Kleinwasserkraftwerk beteiligen, das die Bayernwerk Natur beim Isarwehr in Höllriegelskreuth errichtet.

Dort wird im Moment ohnehin gebaut, wie Bayernwerk Natur-Vertreter Peter Basche den Gremiumsmitgliedern ausführlich erläuterte. Um die Isar für Fische in beide Richtungen durchgängig zu machen, wird hier eine sogenannte „raue Rampe“ eingebaut, die der Flusspopulation erlaubt, auch Isar-aufwärts zu schwimmen. Bei der Gelegenheit soll jetzt zwischen der alten, von Eon betriebenen Wehranlage, und der neuen Rampe das entstehende Gefälle zur Stromerzeugung genutzt werden.

Eine VLH-Turbine, die dort eingesetzt würde, könnte quasi als Abfallprodukt hier 1,77 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen und damit etwa 700 Haushalte in Baierbrunn versorgen.

Das Ganze sei ein „Leuchtturmprojekt“, wie Basche meinte, außerdem die erste VLH-Turbine, die in der Isar eingebaut wird. Vier kleine Wasserkraftwerke betreibt die Bayernwerk Natur bereits, sie ist eine Tochter der Bayernwerk AG und für den Mutterkonzern Eon zuständig für „dezentrale Erzeugeranlagen“, die ja zunehmend gewünscht werden.

Auch die effektive Kleinturbine, versicherte Basche den Baierbrunnern, sei „ökologisch verträglich“, da sie nicht auf „Erzeugungsoptimierung“ ausgerichtet sei. Ihre Schaufelräder drehen sich vergleichsweise langsam und haben auch einen relativ großen Abstand zueinander.

Parallel zu den Bauarbeiten, die im Oktober begonnen haben, läuft über die Bauzeit hinaus ein umfangreiches Fisch-Monitoring, an dem auch die TU München beteiligt ist. Basche: „Ich kann schon jetzt guten Mutes sagen: Wir sind mit einer fischfreundlichen Turbine unterwegs.“

3,5 Millionen Euro wird der Bau der Anlage kosten, für ihre Betriebsführung muss man im Jahr noch einmal 12 500 Euro veranschlagen. Die Errichtungskosten wird die Bayernwerk Natur, die sich zu dem Zweck mit den Bayerischen Landeskraftwerken, einer Tochter des Umweltministeriums, zusammengeschlossen hat zur „Wasserkraft Baierbrunn GmbH“, erst einmal komplett selbst finanzieren. Beteiligungen sind dann aber durchaus erwünscht, sowohl von der Gemeinde wie auch von Bürgergesellschaften.

Dabei stehen 40 Prozent der Errichtungskosten zur Disposition, insgesamt 1,41 Millionen Euro, deren Rendite bei 3,5 bis vier Prozent liegen würde. Das Ganze: „schon attraktiv für Investoren“, machte Basche seinen Zuhörern Mut, auch wenn Wasserkraftanlagen insgesamt eher „kapitalintensiv“ seien und sich „erst über große Zeiträume amortisieren“.

Gemeinde erwägt

eine Beteiligung

Dafür seien sie, ohnehin unabhängig von Sonne und Wind, „absolute Langläufer“, die Jahrzehnte halten und bei denen höchstens die Elektronik nach 30 Jahren erneuert werden müsste. Die Inbetriebnahme des Minikraftwerks stellte er für November 2016 in Aussicht.

Die Baierbrunner? Hörten sich den Vortrag interessiert an und wollten dann wissen, welche Risiken die Bauphase unter Umständen noch birgt. Alexander Lechner (SPD) plädierte dafür, auf jeden Fall den Abschluss des Monitorings, der für 2017 im Kalender steht, abzuwarten, ehe man in das Projekt einsteige. Bayernwerk-Natur-Vertreter Peter Basche hatte ohnehin gemeint: „Bevor das Ding fertig dasteht, kann ich einer Kommune nicht empfehlen, sich zu engagieren.“ Dann aber sei es „sehr passend“.

Andrea Kästle

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