Wegen FFH-Gebieten: Bauern fürchten schleichende Enteignung

- BBV-Ortsobmann Hartl stellt sein Amt zur Verfügung

Ismaning - Wie Hohn empfinden derzeit die Landwirte in Ismaning vergangene Lobreden und Ehrungen für ihr Engagement in Sachen Naturschutz: Was Jagdgenossenschaft, Landschaftsverein und Bauern im vergangenen Jahrzehnt gepflanzt haben, könnte jetzt als FFH-Gebiet - Flora-Fauna-Habitat-Verordnung der EU - wie ein Bumerang zurückschlagen. Ismaninger Trenngräben sollen kilometerweise neu in die Karten des Bayerischen Umweltministeriums als unter Schutz stehend aufgenommen werden. Unter "Natura 2000" sind die Gebiete im Internet schon einsehbar. Die Bauernschaft tobt. Sie hat Angst, dass angrenzende Äcker nicht mehr gedüngt und gespritzt werden dürfen.

Bei der jüngsten Versammlung entlud sich der Zorn insbesondere an Bauernverbands-Ortsobmann Erich Hartl (wir berichteten). Die Gebiete stünden schon seit September 2003 fest, aber "keiner von uns hat etwas gewusst", schimpfte Hans Lupperger. Dabei sei die Einspruchsfrist schon Anfang Januar 2004 abgelaufen. Ludwig Soller vom Landschaftsverein Ismaning hatte das beachtet und seine 60 Mitglieder darauf aufmerksam gemacht. Er gab die 60 Einsprüche persönlich im Ministerium ab.

Die Bauern haben vor allem Angst, dass das "Verschlechterungsgebot", das für solche FFH-Gebiete gilt, die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Felder treffen könnte (s. auch Bericht rechts). Ob man dann noch düngen und Pflanzenschutzmittel ausbringen dürfe, sei fraglich. "Das ist wie eine schleichende Enteignung", schimpfte Hans Soller junior. Hans Lupperger stellte fest: "Das ist wie eine drohende Baumschutzverordnung. Wir müssen den Anfängen wehren." Jakob Soller, ehemals Chef der Jagdgenossenschaft, fühlte sich angegriffen und verteidigte die Pflanzaktionen: "Das war doch eine gute Sache." Es ginge nicht darum, das Vergangenene schlecht zu reden, stellten die Kritiker fest: Dieses Engagement damals gereiche den Bauern aber nun zum Nachteil.

"Mein Großvater hat sich das Feld vom Mund abgespart. Und jetzt? Am besten ist`s, wir schieben ois wieder zu!" Hans Soller jun.

Misstrauisch beobachten die Landwirte auch das gute Einvernehmen des Ortsobmanns mit dem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, Stephan Schwarz. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Es sind im Namen der Bauern Einwände vorgebracht worden", hielt Erich Hartl seinen Kritikern entgegen.

Auch Bürgermeister Michael Sedlmair versuchte die erhitzten Gemüter in der Versammlung zu beruhigen: "Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht. Man muss nicht Tabula Rasa machen, sondern mit ein wenig Vernunft und Ruhe rangehen." Die ordnungsgemäße Anhörung komme. Es sei kein Unding gewesen, das die Jagdgenossenschaft die Flur mit Hecken und anderen Pflanzungen aufgewertet habe.. Für die Zukunft der Gemeinde sei es auch wichtig, "dass unsere Flur wertvoll ist". Ob Natur, Erholung und landwirtschaftliche Nutzung, bisher habe es in Ismaning immer gute Kompromisse gegeben. Es gelte, die Flurkarten mit der genauen FFH-Grenzziehung abzuwarten, meinte Hartl. Der Bauernverband habe seine Mitglieder aber gerade aufgefordert, nicht abzuwarten, sondern im Vorfeld tätig zu werden, hielt Lupperger ihm entgegen.

Wegen der massiven Kritik hat Hartl Konsequenzen gezogen und sein Amt als Ortsobmann zur Verfügung gestellt. Am 10. Februar wird der BBV-Ortsverband nicht öffentlich den Streit aufarbeiten und über Hartls Nachfolge entscheiden. agm

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