Weißwurst-Offensive pünktlich zu Fasching?

- Metzger halten nichts von Patent-Debatte

Landkreis - Eine gehörige Portion Kalbfleisch, gewürzt mit Salz, weißem Pfeffer, Zitrone und Ingwer: So wird die traditionelle "Münchner Weißwurst" auch im Landkreis zubereitet. Nun könnte das beliebte Schmankerl bald ein Fall für das Patentamt sein, denn Münchens Metzger wollen die Wurst gegen billige Nachahmer schützen lassen. So mancher Metzger im Landkreis schüttelt darüber nur den Kopf. Zum Beispiel Dieter Hafner aus Großhelfendorf: Er vermutet hinter der Idee eine Marketing-Aktion der "Oberpromis" bei den Münchner Metzgern, um "die Weißwurst zum Fasching groß rauszubringen".

Dabei hätte die Weißwurst seiner Meinung nach gerade im Landkreis München Werbung gar nicht nötig. "Nach einem Faschingsball ist es bei uns doch Tradition, dass man Lust auf Weißwürste hat", sagt er. Noch weniger hält Hafner davon, dass sich Metzgereien, falls das Patent genehmigt wird, einem relativ teuren Zertifizierungsprogramm unterziehen sollen, um ihre Produkte als geprüfte "Münchner Weißwürste" an den Kunden bringen zu dürfen. "Da mache ich bestimmt nicht mit. Ich darf die Würste so nennen, wenn sie im Landkreis hergestellt werden", ist er überzeugt.

Auch Martha Frühbeis, Geschäftsführerin der Metzgerei Frühbeis in Deisenhofen, wundert sich sehr über die Diskussion. "Es gibt wirklich wichtigere Sachen als darüber zu streiten, ob nun ,Münchner Weißwurst` draufsteht oder nicht", sagt sie. Ihrer Kundschaft sei der Name, so zeige die Erfahrung, nicht wichtig. "Bis jetzt hat bei mir noch keiner explizit eine Münchner Weißwurst verlangt." Deshalb könne sie auch auf den Titel verzichten. "Denn dass man dafür zahlen muss, dafür bin ich gar nicht", sagt sie.

Wie Frühbeis glaubt auch Thomas Huber von der Metzgerei Niedermeier in Taufkirchen nicht daran, dass die Kundschaft beim Einkauf ausgesprochenen Wert auf den Titel "Münchner Weißwurst" legt. "Ihnen geht es viel mehr um Geschmack und Konsistenz", sagt er. Und der sei sowieso bei jedem Metzger anders. Besonders unsinnig erscheint es Huber, kleine Metzgereien in der Region München plötzlich mit Zertifzierungsgebühren zu belasten, nur damit sie ein patentiertes Produkt anbieten könnten. Huber: "Gerade im Mittelstand kann man das ja gar nicht bezahlen."

Wenig von der Patentdebatte verspricht sich auch Leopold Friedl, Metzger aus Hohenbrunn. "Ich glaube kaum, dass man mit der Taktik weiterkommt", sagt er. Sein Vorschlag: "Ich meine, wir tun genug, wenn Metzger sich einfach dazu bekennen, Qualitätswurst herzustellen." Cornelia Babl

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