520 weitere Bäume todgeweiht

Neubiberg - 520 weitere Gehölze sollen zwischen 24. Juni und 31. Juli auf dem Gemeindegebiet Neubiberg gefällt werden.

Nicht die einzige niederschmetternde Nachricht, die Peter Nawroth, Ambros Köppl und Gerhard Kraus von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) verkünden mussten. Denn auch eine Erweiterung der Wirtsbaumliste steht bevor.

Der ALB-Traum geht weiter - das belegen bereits die nackten Zahlen, die Peter Nawroth im Gepäck hatte: Rund 400 Gehölze mussten der ersten Abholzungswelle weichen (wir berichteten). 22 Larven sowie weit über 1000 Eiablagen wurden bei den Untersuchungen der Hölzer festgestellt. „Deshalb müssen wir die Quarantänezone nun den Gegebenheiten anpassen und letztlich ausweiten“, erklärte Nawrath.

Die Folge: Erneut wird auf dem Gemeindegebiet die Motorsäge sprechen, rund 520 Gehölze werden von 24. Juni bis Ende Juli - in erster Linie als präventive Maßnahme - geopfert. „Unser Ziel muss es sein, den Käfer vollständig auszurotten“, warb Nawroth für die neuerlichen Fällungen, die seiner Meinung nach „unvermeidlich“ sind. Eine Einschätzung, die das Gros der Zuhörer keineswegs teilt. „Es gibt mittlerweile viele Stellungnahmen von Fachleuten, die behaupten, dass wir einfach mit dem Käfer leben müssen“, meldete sich ein Mitglied der Bürgerinitative „Gegen ALB Traum Neubiberg“ zu Wort. Die Initiative macht sich unter anderem dafür stark, dass nur befallene Bäume gefällt werden, auf Präventivfällungen möglicher Wirtsbäume aber verzichtet wird. Ein anderer Bürger stört sich vor allem an der Verhältnismäßigkeit: „Circa 15 Prozent der Bäume waren befallen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass rund 340 Gehölze umsonst gefällt worden sind.“

Einwände, die Nawroth nachvollziehen kann. Dennoch sind der LfL die Hände gebunden: „Wir handeln als Behörde nach den gesetzlichen Vorgaben“, verteidigt sich Nawroth. Es gäbe kein anderes Mittel. Pflanzenschutzmittel gefährden das Grundwasser. Deshalb sei in der Bundesrepublik eine direkte Injektion in den Baum in der Entwicklungsphase, die jedoch im Erfolgsfall „frühestens 2017 flächendeckend zum Einsatz“ kommen könnte. So bleibe derzeit nur die Fällung befallener Gehölze und der potenziellen Wirtsbäume Ahorn, Baumhasel, Birke, Esche, Pappel, Rosskastanie, Vogelbeere und Weide, um dem vierbeinigen Störenfried Einhalt zu gebieten.

Baumbesitzer müssen sich in Zukunft auf noch größere Einschnitte einstellen. „Die EU hat eine neue Wirtsbaumliste verabschiedet, an die wir uns, so bald sie uns als Vorgabe zugegangen ist, halten müssen.“ Dann wird auch bei beliebten Bäumen wie der Linde, der Rotbuche, der Erle und der Platane die Axt angesetzt. Aussichten, die auch Bürgermeister Günther Heyland (FW.N@U) schockieren. „Wir als Gemeinde sind ja auch eine Behörde und unterstützen damit die Maßnahmen der LfL“, verteidigt der Gemeindechef das Vorgehen der Landesanstalt. Er ergänzt: „Wenn Sie mich als Bürger fragen, teile ich die Ansicht der Bürgerinitiative, dass die Fällaktionen keine Perspektive für die Zukunft sein können.“ Entgegenwirken will die Gemeinde dem Baumsterben unter anderem durch Nachpflanzungen, die in einigen Fällen - bei schützenswertem Baumbestand - sogar gesetzlich vorgegeben sind. Wer nachpflanzen muss und welche Gehölze geeignet sind, um dem ALB Widerstand zu leisten, können Bürger im Bauamt erfragen. (mw)

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