Parteitag feiert Wiedervereinigung: Dietmar Burckhard als täuschend echtes Double von Erich Honecker. Foto: gefö

Die Wende einmal andersherum

Unterschleißheim - Die Mauer muss weg, lautete 1989 die Forderung des Volkes - also wurde die BRD in die DDR integriert. Da stimmt was nicht? Nicht, wenn es nach der "Komödie Dresden" geht. Das Ensemble zeigte in Unterschleißheim eine ganz andere Geschichte der Wende.

Geschafft wurde die Wende natürlich von Erich Honecker, Staatsratsvorsitzender der DDR, und an den erinnerte schon der Titel des Stücks "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf." Das sagte Honecker als der DDR-Mikrochip entwickelt worden war - ungeachtet der Tatsache, dass der Chip in Japan längst auf dem Markt war.

Traurigkeit über die verkehrte Wende kam keineswegs auf. Vielmehr wurde auf der Bühne kräftig gefeiert: Die SED feiert ihren 24. Parteitag und gleichzeitig die Aufnahme der neuen westdeutschen Bezirke (Bundesländer) sowie den sprunghaften Anstieg ihrer Mitglieder von 500 auf 1000. Na, wenn das kein Anlass für Glückwünsche ist! Das sagten sich auch viele Prominente und die zehn Darsteller schlüpften in beachtliche 60 Promi-Rollen.

Da gratulierten dann Udo Lindenberg und Nina Hagen, Max Raabe sang ein Lied auf die Bürokratie und die Wildecker Herzbuben stimmten ein inbrünstiges "Singe, mein Sachse" an. Marcel Reich-Ranicki knöpfte sich literarisch das "Kommunistische Manifest" vor und schwelgte dabei in verstecktem Humor und erotischen Anzüglichkeiten.

Dietmar Burckhard gab den Honecker so gut, dass er verflixt nah am Original dran war. Ein Parteitag und eine Feier, die viel Platz für Witz und Kalauer bot. Es wurde das „Bruttosozialismusprodukt“ gerühmt, rhythmisch geklatscht wie beim „Kessel Buntes“ und ein neuer Trabi vorgestellt. Da fehlt doch noch eine Hauptfigur? Richtig: Helmut Kohl. Dieser war als "Verräter am Volk" auf der Flucht. Am Ende stellte sich heraus: Diesen Wiedervereinigungs-Schlamassel hatte Kohl nur geträumt.

Das Stück wurde von der Komödie Dresden unter der Regie von Jürgen Mai äußerst unterhaltsam umgeschrieben und temporeich präsentiert: Wortspielereien, ein Promi-Andrang dank fliegendem Kostümwechsel, abstruse Ideen und musikalische Spitzfindigkeiten. Bei aller Gaudi drängte sich aber auch mitunter ein wenig Nachdenklichkeit auf. So gab beispielsweise zu denken, wie schnell sich Menschen auf die Seite des Siegers ziehen lassen. Die dargestellten Künstler taten dies auf der Bühne ohne aufzumucken reihenweise mit ihren Einlagen zu Ehren des Kommunismus und des glorreichen DDR-Staatschefs.

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