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Wichtige Ansprechpartner bei Mobbing sind die Schulsozialarbeiter des interkommunalen Arbeitskreises „Prävention“, zu dem auch Jörg Breitweg (r.) und Daniel Wettlaufer (Zweiter v.r.) gehören. 

Infoabend an der Grundschule Kirchheim 

Mobbing: Eltern allein können Kind nicht helfen

Mobbing ist nicht neu. Wird aber immer häufiger, auch an Schulen.

Von Sabina Brosch

Kirchheim – Leistungsabfall in der Schule, plötzliche Verschlossenheit oder gesundheitliche Beschwerden können ein Zeichen von Mobbing sein. Mobbing ist nichts Neues, gewinnt mit dem Internet jedoch eine andere Qualität. „In jeder Klasse gibt es ein Kind, das gemobbt wird“, sagt Sozialpädagoge Jörg Breitweg.

Er ist als Referent für Gewaltprävention bei der Münchner „Aktion Jugendschutz“ tätig, schult Pädagogen, damit sie Mobbing besser erkennen und bietet Lösungsmöglichkeiten mit Hilfe des „no blame approach“ (Ansatz ohne Schuldzuweisung).

Mobbing hat mit Hänseln oder Lästern nichts zu tun. Mobbing geht über einen längeren Zeitraum, in dem auch der Gruppe, die sich in Täter, Zuschauer und Verteidiger teilt, eine entscheidende Rolle zukommt. „Ein typisches Opfer gibt es jedenfalls nicht“, sagte Breitweg bei einem Informationsabend in der Grundschule Kirchheim.

Geladen hatte der Arbeitskreis „Prävention“, in dem sich Schulsozialarbeiter aus den Kommunen Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen austauschen. Sabine Gmeiner und Daniel Wettlaufer arbeiten seit zwei Jahren an den Kirchheimer Grund- und Mittelschulen. „Bisher war Mobbing bei uns noch kein akutes Thema. Aber wir müssen natürlich sensibilisieren und wissen, wie man in welche Situation präventiv hineinwirken kann“, sagte Wettlaufer.

Schon vor 23 Jahren hatte Breitweg in Kirchheim den Grundstein für die Schulsozialarbeit gelegt, er war der erste Streetworker Bayerns auf dem Land, hat die Skateranlage mit aufgebaut, kennt das „Rülps“ aus der Zeit an der Florianstraße.

Vor allem die Schüler der siebten und achten Klassen sind von Mobbing betroffen, „es ist die Zeit, in der sich die Jugendlichen ihre Stellung in der Gruppe erarbeiten, notfalls auch mit Ellbogen“. Würden die Eltern dann zu Tigern und bestürmten die Lehrkräfte mit Vorwürfen, eskaliere die Situation oft. Sozialpädagoge Breitweg rät Eltern daher, nicht im Alleingang aktiv zu werden. „Geben Sie Ihren Kindern keine Ratschläge wie ‚Wehr Dich doch!‘ oder ‚Lass Dir das nicht gefallen!‘“

Erster Ansprechpartner für Kinder sei der Schulsozialarbeiter, der absolut zur Verschwiegenheit verpflichtet sei. „Der ,no blame approach’ verzichtet auf Schuldzuweisungen gegenüber den Tätern oder Opfern, vielmehr werden sie beide als Helferexperten angesprochen und aktiv in den Lösungsprozess eingebunden“, beschreibt Breitweg das Konzept. Wichtig sei, alle Mitglieder der Schulfamilie einzubeziehen. So könne in den meisten Fällen eine spezifische Lösung gefunden werden, rechtliche Schritte seien das letzte Mittel, „eine Anzeige zementiert nämlich oft die Opferrolle“.

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