Werden Briefe erst abends um 21 Uhr zugestellt?

- VON RAFAEL SALA Landkreis - Für die einen ist sie ein Segen, für die anderen ein Fluch. Während Firmen und Kleinunternehmer die Öffnung des Marktes für Briefe unter 50 Gramm - das letzte der Post noch verbliebene Monopol - regelrecht herbeisehnen, warnen Arbeitnehmerverbände vor Zustellengpässen im ländlichen Bereich. In den Gemeinden Aying und Straßlach-Dingharting mit ihren insgesamt 31 Ortsteilen sieht man die Grundversorgung zwar sichergestellt, doch es wird mit massiven Service-Einschränkungen gerechnet. Die Deutsche Post jedenfalls steht der Liberalisierung des Briefmarktes, die zum 1. Januar 2008 beschlossen ist, äußerst skeptisch gegenüber.<BR>

<P>Wird die Zustellung in private Hände gegeben, "dann ist es halt sehr fraglich, ob die Briefe auch die letzte Nordseeinsel oder das hinterste Alpendorf erreichen werden", gibt Post-Sprecher Dirk Klasen zu bedenken. Auf jeden Fall müssten sich verstreut liegende Siedlungen wie Einzelweiler und Gehöfte darauf gefasst machen, die Briefe verspätet oder bei Zustellengpässen an bestimmten Tagen auch gar nicht geliefert zu bekommen. "Wer außer der Deutschen Post wird denn bereit sein, Briefe in Regionen zuzustellen, in denen das eben nicht wirtschaftlich ist?", fragt Klasen.<P>Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge: "Schauen Sie doch nur nach Österreich, da lauern doch Unternehmen nur darauf, hier in dieses Marktsegment einzudringen", schimpft der Verdi-Fachbereichsleiter für Postdienstleistungen, Anton Hirtreiter. Eine Marktöffnung werde zu gefährlichen Versorgungsengpässen führen, in einigen Gebieten vielleicht sogar zum Totalstillstand.<P>So weit will Ayings Bürgermeister Johann Eichler (PWH), dessen Gemeindegebiet 19 Ortsteile umfasst, nicht gehen: "Ich denke, dass die Grundversorgung bei uns garantiert sein wird." Er verweist darauf, dass die Post nach Bestimmungen der Bundesnetzagentur dazu Splittersiedlungen sind für private Zustellfirmen wirtschaftlich uninteressant verpflichtet ist, Lücken im Versorgungsnetz aufzufangen und eigene Zusteller zu beauftragen, falls sich keine Agenturen oder privaten Anbieter finden lassen. Doch Eichler rechnet mit massiven Nachteilen beim Service. "Wir werden die Post wahrscheinlich noch später bekommen." Bisweilen würden Pakete den Privathaushalten erst um 21 Uhr zugestellt, Ähnliches sei ab 2008 auch bei Briefen zu befürchten.<P>Der Rathauschef von Straßlach-Dingharting, Walter Brandl (BB), sieht die Grundversorgung in der Gemeinde mit ihren zwölf Ortsteilen zwar ebenfalls gewährleistet, will aber nicht ausschließen, dass es in Splittersiedlungen wie Deigstetten, die für private Anbieter unwirtschaftlich zuzustellen sind, zu Versorgungsengpässen kommen kann. Bauchschmerzen bereitet ihm allerdings mehr eine mögliche Aufweichung des Postgeheimnisses: "Man braucht nicht weit zu denken, dass der Postverkehr nicht nur ein privatwirtschaftliches Anliegen ist. Es werden ja nicht nur Liebesbriefe verschickt." Nach Aussagen der Deutschen Post besteht diese Gefahr jedoch nicht: "Briefe dürfen per Bundesgesetz nicht geöffnet werden. Daran wird sich nichts ändern", versichert Klasen.<P>

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