Westafrika mit anderen Augen sehen

Schäftlarn - Anouk Mansour (21) absolviert ein Soziales Jahr in Togo

Hohenschäftlarn/Togo - Wie viele andere in ihrem Alter will die 21-jährige Anouk Mansour Lebenserfahrung sammeln. Deshalb ist sie Anfang des Jahres nach Westafrika gekommen, um dort eine andere Welt zu sehen. Dort sieht sie Menschen mit Träumen, Wünschen und Sehnsüchten. Zum Teil sieht sie auch Menschen, die in ihrer Heimat keine Perspektive haben und deshalb planen, nach Europa zu flüchten. Doch vor allem sieht sie Kinder und Jugendliche, die außer Dunkelheit nichts mehr sehen.

Anouk Mansour aus Hohenschäftlarn hat sich nach ihrem Abitur entschieden, in Togo ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Sie wohnt seit Januar bei einer Gastfamilie in der Stadt Kpalimé an der Grenze zu Ghana. Dort arbeitet sie an einer Privatschule mit zirka 20 Schülern zusammen. Sie alle haben ihr Augenlicht verloren.

Hauptsächlich übersetzt Anouk Mansour Hausaufgaben und Klausuren der blinden Schüler von der Blindenschrift in reguläre Schrift oder fertigt mittels eines Computerprogrammes Prüfungen in Blindenschrift an. Daneben gibt sie nachmittags Nachhilfe in Englisch und Deutsch. Anouk Mansour sagt, die Arbeit mache ihr großen Spaß. Doch: „Ich habe gemerkt, dass sowohl Arbeit eine Erfahrung ist als auch die Erfahrung eine Arbeit.“

Freilich hat Anouk Mansour auch Freizeit. Aber Erfahrungen sammelt sie ständig und überall. Sie berichtet von vielen „schönen Dingen des Lebens“. Zum Beispiel nimmt sie regelmäßig an einer traditionellen Tanz- und Trommelgruppe teil, macht Ausflüge in die Berge oder ans Meer. Außerdem verbringt sie viel Zeit mit ihren Freunden, von denen einige kleine Kunstboutiquen betreiben. Sie hilft ihnen, die Artikel im Internet zu verkaufen. Doch Anouk Mansour hat auch die unschöne Seite Afrikas gesehen: Neben dem bunten und von Tanz und Musik geprägten Leben gebe es viele „Dinge, hauptsächlich politisch bedingt, die all die positiven Seiten in den Schatten stellen“, erzählt Anouk Mansour.

Zusammen mit einer Mitarbeiterin von ProAfrika fährt sie einmal in ein nahegelegenes Dorf in den Bergen, um Lebensmittel wie Reis, Mais und Kekse an die Bevölkerung zu verteilen. Anouk Mansour trifft an diesem Tag auf ein kleines Mädchen, deren Vater und Mutter an Aids gestorben sind. Das Kind, das die Großeltern erziehen, leidet selbst an der Immunschwäche. Das sind Schicksale, die in Afrika keine Seltenheit sind: Die Vereinten Nationen schätzen, dass in Togo zirka 110 000 Menschen mit dem HIV-Virus infiziert sind. Ebola ist kein Thema in Togo. Angst vor Ansteckung hat die 21-Jährige nicht.

Einmal erlebt Anouk Mansour einen Autounfall, bei dem sich vier Personen schwer verletzen. Sie erzählt, ein Krankenwagen sei viel zu spät gekommen. Ein Gesundheitssystem existiere nicht. Anouk Mansour spricht von „Dingen, die mich erstaunt sowie erschüttert haben“. Aufgrund dessen, aber auch weil sie ein paar Freunde hat, denen sie oft Abendessen vorbeibringt, weil sich diese nicht einmal Grundnahrungsmittel leisten können, sagt Anouk Mansour: „Der Unterschied zwischen Europa und Afrika ist mir erst hier richtig bewusst geworden.“

Aufgezeichnet von Thomas Radlmaier

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