Ihr Erstling: Laura Theis hat mit Hilfe eines Verlages ihren ersten Gedichtband herausgebracht.
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Ihr Erstling: Laura Theis hat mit Hilfe eines Verlages ihren ersten Gedichtband herausgebracht.

Werk erscheint in vielen Ländern der Welt

Gedichte aus Oxford - Erster Lyrikband der Ottobrunnerin Laura Theis

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Die Ottobrunner Lyrikerin Laura Theis (35) hat in diesem traurigen letzten Jahr ihr erstes Lyrik-Debüt veröffentlicht. Es hat ihr, wie sie selbst sagt, durch diese schwierige Zeit geholfen.

Ottobrunn/Oxford - Laura Theis lebt seit Jahren gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Hund Wodehouse in Oxford in einem kleinen Hexenhäuschen. Möglich wurde die Veröffentlichung des Lyrikbandes durch einen englischen Literaturpreis, den sie im Frühling des ersten Coronajahres gewonnen hat. Ganz aktuell steht sie auf der Longlist der National Poetry Competition Awards. Das Buch kam jetzt heraus, die Launch-Party und Lesung mussten coronabedingt per Zoom stattfinden. Den Bucheinband mit der Qualle hat die Sprachkünstlerin selbst entworfen. Es ist ein Foto, dass sie vor vielen Jahren im kanadischen Vancouver aufgenommen hat. Hier der Bestell-Link direkt zum Verlag: www.dempseyandwindle.com/lauratheis

Um welche Themen kreisen die Gedichte und woher nehmen Sie die Inspiration?

Es sind viele kleine Geschichten, die sich oft aus der Frage „was wäre, wenn...“ entspinnen. Wie wäre es zum Beispiel, mit einem Drachen als Mitbewohner zusammen zu leben oder eines Tages mit Spinnen statt Haaren auf dem Kopf aufzuwachen? Was würde ich wohl schreiben, wenn ich als Erste als Writer-in-Residence auf dem Mond stationiert wäre? Ich hoffe, dass meine Leser durch die Gedichte ein bisschen in ihre eigene Fantasie eintauchen können. Den Titel „how to extricate yourself“ könnte man übersetzen mit: „Wie man sich herausrettet oder herauswindet“. Die Sprecherstimmen in den Gedichten finden Antworten auf diese Frage. Manchmal ist die Antwort „so zu tun als ob“ in verschiedenen Ausformungen. Neben fantastischen Elementen wie Zombies, Märchen und Zauberei geht aber auch um Schlaflosigkeit, Sehnsucht und die eigenartige Melancholie dieser ungewöhnlichen Zeit der Isolation. Und auch mein geliebter Hund taucht in fragmentierter und verwandelter Form immer wieder auf.

Wie sind die Fantasie-Stücke entstanden?

Ein Großteil der Gedichte sind tatsächlich mitten im ersten harten englischen Lockdown entstanden. Eine riesige Hilfe waren in dieser Zeit andere Autoren. Ich war zum Beispiel Teil einer spontanen vom italienischen Dekameron Boccaccios (das im späten Mittelalter zur Zeit der Pest spielt) inspirierten Schreibgruppe von Schriftstellern aus verschiedenen Ecken der Welt, die zehn Wochen lang zusammen auf Themenstellungen reagiert und Gedichte und Kurzgeschichten ausgetauscht haben. Oder eine WhatsApp-Gruppe mit Schriftstellerkollegen hier in Oxford, in der wir uns uns gegenseitig kleine Motivations-Nachrichten geschrieben haben. All das hat geholfen, die große Lockdown-Einsamkeit zu überstehen. Und auch meine reguläre Schreibgruppe, die sich normalerweise regelmäßig trifft, hat zum Glück durch Zoom virtuell weiter existieren können.

Weshalb haben Sie die Gedichtform in Englisch gewählt?

Ich liebe es schon seit meinen ersten Songwriting-Versuchen als Teenager, auf Englisch zu Schreiben, ganz egal ob Prosa oder Lyrik. Ich finde es auch sehr schön, dass es eine Sprache ist, zu der so viele Menschen Zugang haben: 360 Millionen sind englische Muttersprachler, aber weit über eine Milliarde der Menschheit versteht die Sprache.

Man kann es also in den entlegensten Ecken der Welt erwerben?

Ja, mein Buch ist zum Beispiel auch im Bouquinista-Buchladen in Australien erhältlich und hat es in die Türkei, nach Kanada, Dänemark und Amerika geschafft. Ich selbst wohne jetzt schon seit einem ganzen Jahrzehnt in Oxford und meine Lesegewohnheiten haben sich auch entsprechend verändert. Ich glaube, das, was ich jeden Tag lese, hat auch einen großen Einfluss darauf, was ich schreibe. Ich bin zum Beispiel Teil einer Lesegruppe, die sich regelmäßig online trifft, um neu erschienene Bücher zeitgenössischer Dichterinnen zu besprechen. Interessanterweise ist mein größtes Vorbild jemand, der auch im amerikanischen Exil weiterhin auf Deutsch geschrieben hat: die jüdische Dichterin Mascha Kaleko. Ihr habe ich auch mein Buch gewidmet, weil sie mit ihren Worten schon immer meine große Liebe zur Poesie beflügelt hat.

Wie wirkt sich Corona auf das Schreiben und die Musik aus?

Die Pandemie hat viel verändert: Live-Musik, die ein Teil meines Lebens war, ist zum Beispiel unmöglich geworden. Dafür wurden neue Möglichkeiten geschaffen: Dass zum Beispiel Familie und Freunde aus der ganzen Welt zu Lesungen oder Preisverleihungen kommen können, die sonst nicht hätten dabei sein können. Aktuell gibt es zwei Termine, zu denen alle herzlich eingeladen sind: Die Preisverleihung für den OBhéal Five-Words Preis, die normalerweise in Irland stattfindet, ist dieses Jahr online, am 12. April, mit Präsentation der Anthologie, Lesung der Gewinner und einer Open Mic Session. Den Link gibt es von info@obheal.ie Und am 23. April veranstaltet mein Verlag eine virtuelle Shakespeare-Geburtstagsparty mit Lesungen rund um Shakespeares Werk.

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