Zwei Welten in einem Haus: Nach vier Jahren Sanierung finden sich im alten Bauernhaus „Beim Jäger“ in Baierbrunn Tradition und Moderne unter einem Dach. fkn

Die Wiedergeburt des "Jäger"-Hauses

Baierbrunn - Deutschlandweit gewähren am 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, rund 7500 Gebäude Blicke hinter ihre Fassade. Darunter das Bauernhaus „Beim Jäger“ in Baierbrunn. Nach der Sanierung ist dort Altes und Neues unter einem Dach vereint.

Von außen sieht der Betrachter ein frisch renoviertes Bauernhaus. Doch hinter der hölzernen Eingangstür verbirgt sich mehr als das. Sie ist Zugang zu zwei Welten. Welten, die sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern ergänzen. Alt trifft Neu. Tradition trifft Moderne. Der Gegensatz ist gewollt und das Ergebnis von vier Jahren Bauforschung, Planung und Umbau, die das ehemalige Bauernhaus „Beim Jäger“ in Baierbrunn hinter sich hat.

Jetzt trägt das Jahrhunderte alte Gebäude die Handschrift von Architekt Johannes Baumstark (39). „Anders als bei einem Bauernhofmuseum wollten wir nicht nur die Substanz bewahren, sondern auch einen zeitgenössischen Umgang mit dem alten Bauwerk“, sagt er.

Der zweigeschossige Wohnteil hat seinen bäuerlichen Charakter behalten. Die Decken sind nieder. Die Fenster sind tendenziell klein und haben Sprossen. Wie die Baluster des Treppengeländers, die Dielenböden und Balkendecken blieb die Substanz - sofern irgend möglich - erhalten. „Diesen Teil des Hauses haben wir nach restauratorischen Maßstäben bearbeitet“, erklärt Baumstark. Was an moderner Technik einzubringen war, tritt zurück. Die Heizung ist in die Wand eingelassen. Der Charakter des mundgeblasenen Isolierglases entspricht dem der alten Scheiben.

Ganz anders im ehemaligen Stall. „Dort“, sagt Baumstark, „haben wir der historischen Hülle eine neue Nutzung verpasst.“ Eine große Fensterfront und Dachgauben sorgen für viel Licht. Klare Formen herrschen vor. Gleichzeitig nimmt die Wahl von Baustoffen wie Lärchenholz, Muschelkalk und Eisen Bezug auf die Historie des Bauernhauses.

Als Rolf Becker vom „Wort & Bild Verlag“ das Gebäude 2008 „in desaströsem Zustand“ erwerben ließ, kannte dessen bauliche Geschichte niemand so genau. Architekt Baumstark suchte den Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege. Er zog Bauhistoriker und Restauratoren zu Rate. Aus den Indizien, die die Renovierung zu Tage förderte, schlossen sie, dass das Haus im Lauf der Zeit mehrfach verändert wurde. Unter den Dachziegeln kam eine Holzschindeldeckung zum Vorschein. Unter verschiedenen Farb- und Putzschichten legten die Handwerker Rauputz aus der Zeit des Barock frei. Fehlende Exemplare nummerierter Dachbalken verrieten, dass das Gebäude einst länger war. Die Anfänge des Gebäudes reichen vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Der „Wort & Bild Verlag“ möchte das Haus zu repräsentativen Zwecken und als Büro nutzen. Am 9. September öffnet es zum ersten Mal nach der Renovierung seine Tür für die Öffentlichkeit. Da heuer das Material Holz im Mittelpunkt des Denkmaltags steht, passt es gut ins Programm. Auch Johannes Baumstark ist am Sonntag vor Ort. Er betont: „Mit der Renovierung hat der Bauherr ein wichtiges Bauzeugnis ins nächste Jahrhundert gerettet. Außerdem war es für mich als Architekt außerordentlich spannend, die Bauhistorie eines so alten Gebäudes weiterzuführen.“

von Marie-Christine Fischer

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