Wolf, Fuchs mit Beute und eine Notdurft

Was Wildkameras im Landkreis alles filmen

Landkreis -  Er ist wieder zurück in Bayern. Im nördlichen Landkreis Starnberg wurde vor kurzem ein junger Wolf entdeckt (wir berichteten in „Bayern & Region“). In aller Seelenruhe schlendert er durch das Bild, eingefangen von einer der vielen Wildkameras in den Wäldern um München. Aber welchen Zweck erfüllen diese Kameras eigentlich, wenn sie nicht gerade die Rückkehr des „Canis lupus“, wie der Wolf im Fachjargon genannt wird, dokumentieren?

Die Einsatzgebiete dieser Wildkameras sind vielfältig, wie Michael Matuschek, Revierleiter des Forstreviers Aschheim, erklärt: „Hauptsächlich dienen sie dem Wildmanagement.“ Anhand von Trittsiegeln werden die Kameras platziert. Wege von Wildtieren werden dadurch überprüft und ermittelt. „Unter anderem werden Rehe immer nachtaktiver“, sagt Karl Einwanger, Revierleiter in Brunnthal. „Die Kameras unterstützen die Jäger und ermöglichen ein effektives Suchen.“

Auch die Bestandsermittlung von bereits dokumentierten Arten ist Einsatzbereich der Wildkameras. Aktuelle Informationen über den Rehbestand seien für die Förster wichtig, um das problemlose Anwachsen von Jungpflanzen zu sichern. Ab und zu fängt solch eine Kamera aber auch ein unbekanntes Gesicht ein wie vergangenes Jahr im Nationalpark Berchtesgadener Land. Ein Luchs schlich dort im Wald herum. Auch der in Starnberg gesichtete Wolf ist ein solcher Neuankömmling. Ohne die Kameras wären diese Nachweise „nicht so schnell möglich“, sagte Thomas Schreder, Pressesprecher das Bayerischen Jagdverbandes. „Der Wolf und der Luchs gehören schon zu den spektakulärsten Sichtungen.“ Aber auch Marderhunde, Biber und Waschbären, die aus dem Norden nach Bayern kommen, tappten schon in die Fotofalle. Zuletzt lief auch ein Fuchs mit einem Rehkitz im Fang vor die Linse.

Dass der Einsatz der Kameras ausschließlich der Tierüberwachung dient, zeigt deren Positionierung. „Sie werden da aufgestellt, wo nicht mit Menschen gerechnet wird“, erklärt Schreder. Manchmal verirrt sich aber doch ein Wanderer oder Pilzesammler im Aufnahmebereich einer Wildkamera. So geschehen im Zuge der Ermittlungen zum Mord an Luise Zimmermann im Jahr 2009. Ein Mann aus Rosenheim geriet unter Tatverdacht, da er in der Nähe des Tatorts bei Aying von einer Wildkamera abgelichtet wurde. Es stellte sich heraus, dass er nur seine Notdurft verrichten musste. Jäger sind mittlerweile aus Gründen des Datenschutzes aber verpflichtet, solche Aufnahmen zu löschen.

Wieviele dieser Wildkameras im Landkreis München im Einsatz sind, ist schwer zu ermitteln: „Darüber gibt es keine Angaben“, sagt Schreder. Es handle sich um gebräuchliche Überwachungskameras, die in jedem Discounter, aber auch im Fachhandel erworben werden können. Schreder: „Manche stellen sie im Vorgarten oder der Einfahrt auf – oder eben im Wald zur Überwachung der Tierbestände.“ Im südlichen Münchner Landkreis sind die Wildkameras aber nicht das gängige Mittel, wie Fritz Ruf, Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Südost, berichtet. Die Kameras seien dort weder flächendeckend noch durchgehend aufgestellt. „Bei Schwarzwild kommen sie regelmäßig zum Einsatz“, sagt Ruf, „um den Jägern Wartezeiten zu ersparen“. Wildschweine sind meist nachts unterwegs. Im Münchner Süden schauen Keiler, Bache und Frischling aber selten vorbei: „Die trifft man eher im Norden Münchens.“

Michael Hoffmann

Rubriklistenbild: © dpa

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