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Eine Wildkatze im Modell zeigt Maxi Königer-Reuß vom Bund Naturschutz im Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn. Die Ausstellung läuft noch bis zum Sonntag.

Ausstellung des Bund Naturschutz in Ottobrunn

Die Wildkatze kehrt zurück nach Bayern

Vor über hundert Jahren wurde das letzte Tier erlegt. Seither galt die Wildkatze in Bayern als ausgestorben. Nun kehrt sie auf leisen Pfoten zurück. Aktuell zeigt die Ortsgruppe des Bund Naturschutz in Bayern (BN) eine Ausstellung über das Leben der Wildkatze.

Ottobrunn Zur Ausstellungseröffnung im Foyer des Ottobrunner Wolf-Ferrari-Hauses kamen rund 50 Interessierte. Durch den Abend führt Maxi Königer-Reuß von der BN-Ortsgruppe Ottobrunn–Neubiberg–Hohenbrunn–Putzbrunn.

Im Rahmen einer Filmvorführung mit anschließender Gesprächsrunde ist zu erfahren, dass Wildkatzen bis in das 20. Jahrhundert hinein von Menschen stark bejagt wurden. Sie standen in dem Ruf, große Räuber zu sein, die auch Rehe reißen. Ein falscher Verdacht, der viele Wildkatzen das Leben kostete und zu ihrer Ausrottung beitrug.

Die Wildkatze ist eine echte Ureinwohnerin

„Heute ist in Fachkreisen bekannt, dass sich die äußerst scheuen und nachtaktiven Tiere auf Kleinsäuger beschränken“, erklärt Königer-Reuß. Als Hauptnahrungsquelle gelten Mäuse. Diese Erkenntnis kam jedoch für Deutschlands „kleinen Tiger“ zu spät. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges wurde die letzte Wildkatze bei Klingenbrunn im Bayerischen Wald erlegt. Ein weiterer Irrtum, mit dem Maxi Königer-Reuß an diesem Abend aufräumt: „Die Wildkatze ist keine verwilderte Hauskatze!“ Sie ist eine echte Ureinwohnerin, die die Wälder Europas schon durchstreifte, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen über die Alpen brachten.

Während die Stammform unserer Hauskatzen ägyptischen Ursprungs ist, bildet die Wildkatze eine eigene Unterart – die Europäische Wildkatze. Da sie vor allem im Wald lebt, wird sie auch Waldkatze genannt. Ihr bevorzugter Lebensraum sind allerdings nicht etwa dunkle Fichten-Monokulturen, wie sie in der modernen Forstwirtschaft üblich sind. Die Wildkatze bevorzugt arten- und strukturreiche Laub- und Mischwälder mit genügend Futterangebot und ungestörten Plätzen für die Jungenaufzucht. Diese wurden aber im Laufe der Zeit immer mehr eingeschränkt – durch Waldrodung, Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau und die Landwirtschaft.

546 Beweise in Bayern für ihre Existenz

Deshalb beschlossen in den 1980er-Jahren Naturschützer unter der Führung von Hubert Weinzierl, dem damaligen Vorsitzenden des Bund Naturschutz, und Bernhard Grzimek, damals der populärste Tierfilmer Deutschlands, die Wildkatze wieder in ihre bayerische Heimat zurückzuholen. Dank intensiver Zucht- und Auswilderungsbemühungen und der Unterstützung zahlreicher Förster breitet sich die Wildkatze langsam wieder in Bayern aus. Gab es 2002 in Bayern nur zwei sichere Beweise für ihre Existenz, so waren es 2014 bereits 546, die mit der sogenannten Lockstock-Methode und Gen-Analysen nachgewiesen werden konnten. Trotz dieses Erfolges gilt die streng geschützte Wildkatze immer noch als sehr selten und die Population als keineswegs gesichert. Um den Bestand zu stabilisieren, wurden in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Schutzprogramme ins Leben gerufen. Denn: Wo Wildkatzen leben, fühlen sich auch andere, oft bedrohte Arten wohl, wie zum Beispiel Schwarzstorch, Uhu und Luchs.

Von Cornelia Schönhardt

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 26. Februar, im Wolf-Ferrari-Haus zu sehen und auch gut für Kindergartenkinder und Schulkinder geeignet.

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