Da waren’s nur noch drei: Mittlerweile ist Brunnthal aus dem Windkraft-Projekt ausgestiegen, die Arbeitsgemeinschaft plant jetzt mit drei Windrädern. Hier eine veraltete Visualisierung von der Michelistraße in Sauerlach.
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Da waren’s nur noch drei: Mittlerweile ist Brunnthal aus dem Windkraft-Projekt ausgestiegen, die Arbeitsgemeinschaft plant jetzt mit drei Windrädern. Hier eine veraltete Visualisierung von der Michelistraße in Sauerlach.

Thema im Bürgerdialog

Windräder im Hofoldinger Forst: So geht es jetzt mit dem geplanten Windpark weiter

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Der Bau der Windräder im Hofoldinger Forst gilt als sicher. Auf das Projekt kommen noch einige Hürden zu. Und die Bevölkerung? Einige Bürger sträuben sich nach wie vor.

Sauerlach – Über 100 Windräder stehen in den bayrischen Staatsforsten und erzeugen Strom. Bald könnten drei weitere Windanlagen dazukommen: Die Pläne um den kleinen Windpark im Hofoldinger Forst werden konkreter. Der Bau könnte bereits in knapp zwei Jahren beginnen. Scheitern könnte das Vorhaben noch an verschiedenen Genehmigungen. Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) ist entschlossen: „Ich bin deutlich für die Windkraftanlage.“

Seit mehreren Jahren plant die Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst, kurz ARGE, Anlagen an der A 8. Die ARGE besteht aus den Gemeinden Sauerlach, Aying und Otterfing sowie den Landkreisen München und Miesbach. Brunnthal ist mittlerweile aus der Gemeinschaft ausgestiegen, auf ihrem Gemeindegebiet ist ein Windrad vom Tisch.

Aus natur- und artenschutzfachlicher Sicht: „keine entscheidenden Einwände“

Im Februar nahm das Projekt an Fahrt auf, als Ergebnisse der Wind- und Artenschutzuntersuchungen vorlagen. Am Dienstagabend wurde nun den Bürgern von Sauerlach die Erkenntnisse bei einem Online-Bürgerdialog vorgestellt. „Aus natur- und artenschutzfachlicher Sicht gibt es keine entscheidenden Einwände“, sagte Energieingenieur Robert Sing. Die Untersuchung war aufwendig: Mit drei Hebebühnen durchsuchten Experten den Hofoldinger Forst etwa nach Großvögel, Fledermäuse und Reptilien. Sechs Stunden an 18 Tagen, in 30 Metern Höhe. Trotz der positiven Ergebnisse: Eine Gefahr, dass Vögel zu Schaden kommen, bestehe bei Windrädern immer, so Sing.

Die finale Prüfung und Bewertung obliegt aber den Landratsämtern München und Miesbach in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern. Auch die Ergebnisse der Windmessung und Wirtschaftlichkeit waren positiv. Energiereicher Wind kommt demnach vor allem aus südwestlicher Richtung. Bei konservativer Rechnung komme man auf eine Eigenkapitalrendite in einem mittleren einstelligen Bereich, sagte Sing.

Argumente der Windrad-Gegner

Die Windkraft-Pläne der Arge finden nicht nur Befürworter. Die Ottobrunner „Initiative Pro Natur- und Landschaftsschutz im Höhenkirchener & Hofoldinger Forst“ kämpft gegen das Windkraft-Projekt. Ihre Argumente: Gesundheitsprobleme durch Schall, Rodungen von Waldflächen und Kontaminierung des Trinkwassers. Sie befürchten zudem, dass sich der Wert von Immobilien in der Nähe der Anlagen reduziert und Raubvögel und Insekten beeinträchtigt werden. Statt Windkraft fordern die Aktivisten Alternativen wie Geothermie, Blockheizkraftwerke und Solaranlagen.

Auch bei einem virtuellen Bürgerdialog am Dienstagabend bekam Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) einigen Gegenwind. 150 Menschen nahmen an der Online-Veranstaltung teil, einige Bürger konfrontierten die Expertenrunde und das Gemeindeoberhaupt mit kritischen Fragen.

Ein Teilnehmer fragte, was die Nachteile eines Windparks im Hofoldinger Forst seien. Das Landschaftsbild werde durch die Windräder verändert, Vögel könnten zu Schaden kommen, antwortete Energieingenieur Robert Sing. Martin Sterflinger, Leiter des Umweltamts in Sauerlach, befürchtete, dass Anlagen zum Besuchermagnet werden könnten. Windrad-Touristen könnten den Wald stören.

Windräder mit Getriebe brauchen Öl, ein Kritiker war wegen eines möglichen Öl-Austritts um die Wasserschutzgebiete besorgt. Bogner entgegnete, dass keine Anlagen in Wasserschutzgebieten geplant seien. Moderne Windkraftanlagen seien entsprechend ausgestattet, um austretendes Öl noch im Windkraft-Turm aufzufangen, ergänzte Sing.

Windpark im Hofoldinger Forst: So geht es jetzt weiter

Nach den positiven Untersuchungsergebnissen muss nun die Gemeinde einen Antrag auf „Modifizierung des Landschaftsschutzgebiets“ im Kreistag München stellen, sagt Lisa Huber von der Energieagentur Ebersberg-München dem Münchner Merkur. Die geplante Windkraftanlage liegt nämlich in einem Landschaftsschutzgebiet, was nach Ansicht von Experten juristisch kein Problem sein sollte. Der Antrag soll in den kommenden Monaten gestellt werden.

Wenn das Schutzgebiet für den Bau der Windräder angepasst wurde, kann das Projekt in das komplizierte Genehmigungsverfahren eintreten. Dazu müssen Gutachten erstellt und eingereicht werden, etwa Schall- und Schattengutachten. Anfang 2023 könnte die Kommune den Genehmigungsbescheid bekommen, sagt Huber. Der Bau der Anlage könnte beginnen.

Bis dahin muss die ARGE die Gesellschaftsform der Anlagenbetreiber und die Finanzierung klären. Wenn es nach Bürgermeisterin Bogner geht, sollen sich Bürger am Bau und Betrieb der Anlage beteiligen. Wie hoch eine Kapitaleinlage sein soll, steht noch nicht fest, sagte Bogner.

Windräder: Könnte das Vorhaben noch scheitern?

Dass das Vorhaben noch scheitert, gilt als unwahrscheinlich. Die Änderung der Landschaftsschutzverordnung könnte unter Umständen problematisch werden, sagt Energieagentur-Mitarbeiterin Huber. Auch das Genehmigungsverfahren stelle eine Hürde dar. Dass es zu einem Bürgerbegehren mit anschließendem Entscheid kommt, befürchtet Gemeindeoberhaupt Bogner nicht. Eine solche Abstimmung gibt es am 16. Mai im Nachbarlandkreis Ebersberg. Es geht dort um den Bau von Windrädern im Ebersberger Forst.

„In Sauerlach gibt es nur noch wenige Bürger, die sich auflehnen“, so Bogner. Für manche Bürger möge die Anlage störend sein, sagte sie im Bürgerdialog. „Aber wir brauchen erneuerbare Energien.“

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