Aktiv sein, nicht wegschauen: Jesus habe es vorgemacht, sagt Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler im Festgottesdienst zum 50-jährigen Bestehen der Jesuskirche. Foto: Rammelsberger

"Wir brauchen das heilsame Erschrecken"

Haar - Jesus war „kein smarter Typ aus der Welt der Schönen und Reichen“, betonte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gestern in ihrer Predigt zum Festgottesdienst 50 Jahre evangelische Jesuskirche in Haar.

Jesus sei eine „Diskutant par excellence“ gewesen, der strittige Themen mutig ansprach, mal den Finger in Wunden legte und erwartete, dass sie Verantwortung für das Miteinander übernehmen, aktiv sind und nicht wegschauen.

Wer also seine Kirche „Jesuskirche“ taufte, der „hat schon eine Vorstellung, was er mit seiner Gemeinde möchte“. Da sei die Jesuskirche im Bereich der Bildung ihrem Namen gerecht geworden, habe Themen auch für Erwachsene angeboten. Es gehe um ein Handeln in Gottes Namen, um umsichtige Nachbarschaftshilfe, wie sie gerade auch im Klinikum München Ost nötig sei, um Zuwendung, aber auch Konfrontation. Verantwortung brauche Kraft und Mut: „Das ist kein rührseliges Alles-Verstehen und harmonisches Heiteitei. Wir brauchen das Ansprechen von Problemen, ein heilsames Erschrecken, damit wir wieder klar im Kopf werden.“

Auch nach 50 Jahren müsse man im Wandel bleiben. Neues bringe Frische und tue gut. Dazu gehöre das Bildungsangebot, genauso wie das Kinderhaus: „Es ist alle Mühe wert, schon bei den Kleinsten für ein gesundes Selbstwertgefühl zu sorgen.“ Eine Kirche in diesem Sinn sei ein „hoher intellektueller Anspruch und gut evangelisch“.

Die Geschichte der evangelischen Jesusgemeinde ist eng mit dem psychiatrischen Klinikum München Ost verbunden. Denn hier gab es den ersten Betsaal für die Protestanten Haars, wie Landrätin Johanna Rumschöttel in ihrem Grußwort erwähnte. Aus der Anstalt wurde das Klinikum, aus dem Betsaal eine eigene Jesuskirche. Immerhin, erzählte Bürgermeister Helmut Dworzak launig, war die Konradschule damals schon recht fortschrittlich in ihrer Ökumene: „Ob Evangelen oder Katholiken, wir hatten gemeinsame Radlständer. Damals war das nicht selbstverständlich.“ Komisch habe der Schulbub Helmut es damals gefunden, dass die anderen dem Papst nicht folgten, auch keine Marienverehrung kannten, nicht mal zur ungeliebten Maiandacht mussten und auch noch einen Feiertag extra hatten.

Später dann habe er Ökumene selbst gelebt: Als er Jugendleiter wurde und seine Frau kennenlernte, eine Protestantin. Damals habe er auch noch hören müssen, „die ist ja evangelisch“. Immerhin halte diese Ehe schon 45 Jahre. Es habe sich also, resümierte Dworzak ernst, ein „Wandel der Akzeptanz in Haar vollzogen“. Dazu habe auch die mutige Offenheit der Jesuskirche beigetragen und ihre „kompetente, weltoffene Führung“, später auch mit Engagement für die „dritte Welt“.

Auch eine ganz andere Offenheit gegenüber der Welt sei in diesen Tagen gefordert, betonte Rumschöttel und verwies auf die aktuelle Unterkunftssuche für Asylbewerber: „Wer klopfet an, heißt es in einigen Wochen wieder, jetzt haben wir die Herbergssuche traumatisierter Menschen, denen wir helfen müssen.“ - „Wir haben Angebote gemacht und Haar wird sich diesem Problem nicht entziehen“, erklärte Dworzak prompt.

A. Ganssmüller-Maluche

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