Granteln in Anzug und Krawatte: Christian Springer, alias Fonsi, ist längst nicht so angepasst, wie es sein Kleidungsstil vermuten ließe. Lieblingsbeschäftigung des „braven Beamten“: sich ärgern – und zwar über alles und jeden. Foto: gerald förtsch

"Wir haben zu wenig Mumm!": Fonsi schimpft sich den Frust von der Seele

Unterschleißheim - „Sagen Sie’s ned weiter, des is‘ völlig geheim.“ In solchen Zeiten leben wir also, aber es wäre schade, wenn niemand weitersagen würde, wie lustig es beim Fonsi war.

Im Bürgerhaus Unterschleißheim knöpfte sich Christian Springer alias Fonsi nicht nur die Handy-Überwachung vor, sondern er raufte sich auch die Haare beim Gedanken an das monatelange Warten und den Start der Großen Koalition. Und was passiert? Der Fonsi ruft programmgemäß „Jetzt reichts!“ und fügt diesem Programmtitel ein „doch leider nicht für alle“ an.

Doch was den Fonsi ärgert, macht dem Publikum Spaß. „Wir haben von nichts mehr Ahnung“, schimpft Fonsi in Unterschleißheim. „Und woher auch? Es sagt uns ja keiner was!“ Ausgenommen der „Armenpapst“. Der spricht mit den Gläubigen, aber er könnte womöglich unglaubliche Dinge tun: Den Vatikan verkaufen und auf den Campingplatz umziehen, zum Beispiel. Da kommt man schon ins Grübeln. Doch was wäre die Lösung? Ein russischer Papst vielleicht? Der könnte Wodka statt Messwein ausschenken, und zu einem Schnapserl lässt man sich doch gerne einladen. Das könnte doch ein Anreiz für verlorene Schäfchen sein? Oder sollten man ihnen die Rückkehr in die Kirche erleichtrn, indem man ihnen statt Ministranten hübsche Frauen bietet?

Anlass zur Sorge geben aber nicht nur der Armenpapst und der verschwenderische Bischof, aufregen könnte man sich über fast alles. Wobei: „Wir sind ein Volk von Aufregern, aber den Stress machen wir uns selber“, hat der Fonsi festgestellt. Und er weiß auch: „Wir sind nicht absichtlich blöd.“ Aber wir haben halt zu wenig Mumm, was andere freilich freut. Denn ein Volk mit Mumm zum Demonstrieren und Protestieren wäre unbequemer zu regieren.

Allerdings gibt es Leute, die in Fettnäpfchen treten - wie Uli Hoeneß. Und wer Steuern hinterzieht, muss bestraft werden. Der Fonsi wüsste schon wie: Grausam muss die Strafe sein, und deshalb würde er den Hoeneß zum 60er-Präsidenten machen.

Letzter Seitenhieb zum Thema Bundeswehr: Seit der Dienst dort freiwillig ist, gibt es weniger Soldaten. Aber immerhin: Das Kontingent reicht aus, um sich „gegen San Marino zu verteidigen“. Ob Verteidigung, das Dauerthema Mann und Frau oder die Pisa-Studie - es gibt einfach jede Menge, was Springers Figur Fonsi nervt und wahrscheinlich nicht nur ihn. Das Publikum in Unterschleißheim hat er von Anfang bis Ende auf seiner Seite, und bestimmt waren Zuschauer darunter, die - Abhörskandal hin oder her - einiges von dem Gehörten ausplaudern werden. Gut so, denn genau diese Werbung hat der witzig-bissige Fonsi verdient.

(mf)

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