"Wir können viel stärker mit der Wissenschaft spielen"

- Intensiver Gedankenaustausch am Gymnasium Oberhaching

Oberhaching - Wenig Vorurteile, sachliche Diskussionskultur, gezielte Fragen: Mit einem "sehr positiven Eindruck" verließ gestern Abend Staatssekretär Karl Freller vom Kultusministerium das Gymnasium Oberhaching, wo er zuvor mit elf Direktoren von Gymnasien sowie mit Vertretern von Lehrern, Eltern und Schülern über das Thema G 8 diskutiert hatte. "Der Austausch an Gedanken und Informationen war sehr intensiv, die Atmosphäre hilfreich", lautete das Fazit von Freller, der Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) vertrat und versuchte, die konkreten Fragen, die von den vier einzelnen Gruppierungen zuvor in Workshops erarbeitet worden waren, zu beantworten.

Fest stehe schon der Zeitpunkt der Einführung des achtjährigen Gymnasiums, so Freller: Im September 2004 geht`s definitiv los. Ausgelotet wird noch die Frage, ob man die aktuell fünften Klassen schon ins G 8 hinein nimmt oder erst mit den neuen Fünftklässlern beginnt. Insofern "interessant" fand Freller eine Abstimmung der Eltern am Gymnasium Oberhaching, die dafür votiert hatten, schon die jetzigen fünften Klassen ins neue G 8 zu integrieren.

Bedenken, das G 8-Abitur werde schwieriger, zerstreute Freller. "Erklärter Ansatz ist es, die Abiturienten-Quote nicht zu senken", betonte der Staatssekretär. Die Lehrer interessierten sich vor allem für die Umgestaltung des Lehrplans - dazu Freller: "Die Entfrachtung ist nicht in Prozentzahlen messbar. Alles Wichtige bleibt auf jeden Fall drin." Den Eltern brannte vor allem die Problematik der Mittagsbetreuung unter den Nägeln, doch diese sei durch das bundesweite Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" zu 90 Prozent abgesichert, den Rest müssten die Kommunen beisteuern.

Hohlmeiers Büroleiter Harald Vorläuter präzisierte einige Aspekte wie die "Intensivierungsstunden". Für die Lehrer sollen die keine inhaltliche Mehrbelastung darstellen, den Schülern indes als ergänzende Unterstützung der Hausaufgaben dienen. "Und vielleicht entwickelt darauf klassenübergreifend mal eine Jugend-forscht-Gruppe, beispielsweise in Chemie oder Physik", so Vorläuter. Beim neuen Sektor "Natur und Technik" setzt er darauf, "phänomenorientierte Lernprozesse nach unten zu verlagern und den Geist früher anzuregen". Als Beispiel nannte Vorläuter das kindlich-emotionale Interesse daran, was bei einem Blitz passiert. In der Oberstufe sollen Seminare den Lernstoff ergänzen und für eine Verzahnung mit Universitäten, Wirtschaft und Industrie sorgen. Ob Besuch im Gentechnik-Labor oder Vortrag eines Professors im Gymnasium: "Wir können viel stärker mit der Wissenschaft spielen", glaubt Vorläuter, der all diese Maßnahmen zum G 8 für zwingend hält: "Wir müssen uns dem gestiegenen Konkurrenzdruck von Anrainerstaaten wie Österreich stellen." Martin Becker

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