Wohl der Allgemeinheit geht über Vorschriften

- Ausnahmegenehmigung für die Stadt

Garching (an) - Einem privaten Häuslebauer könnte es zum Verhängnis werden, wenn er die im Bebauungsplan vorgegebenen Baugrenzen um einen halben Meter überschreitet. Anders verhält sich die Sache, wenn die Stadt Garching als Bauherr auftritt, die sich bei der Grundschule Jahnstraße nicht an diese Vorgaben hält. Dennoch hat der Ausschuss für Bauanträge den Verstoß abgesegnet. Begründung: Der Schul-Ausbau diene dem "Wohl der Allgemeinheit".

Geplant ist, das Schulgebäude um eine Sport- und Pausenhalle sowie einen Werkraum zu ergänzen. Auf einer Länge von einmal 29 und einmal zehn Meter überschreiten die Pläne die festgelegten Baugrenzen. Die Verwaltung macht geltend, die "städtebaulich sinnvollste Lösung" gewählt zu haben.

Dass die "Kleinen" beim Bauen oftmals benachteiligt würden, beklagte Unabhängigen-Stadtrat Walter Kratzl auch hinsichtlich der geplanten Umwandlung von vier Reihenhäusern in einen einzelnen Wohnblock im Gebiet "Untere Straßäcker". Die "VöBau GmbH" hatte diese Häuser von der Stadt erworben und nun festgestellt, dass sich Reihenhäuser nicht so gut verkaufen lassen wie Wohnungen in einem Einzelhaus. Laut Stellplatzschlüssel müsste die "VöBau" 13,5 Parkplätze schaffen. Mangels zur Verfügung stehender Fläche aber gestattete die Stadt, die Stellplätze abzulösen, das heisst, sich freizukaufen. Mit dem Geld sollen dann andernorts Parkplätze entstehen.

So weit so gut, meint Kratzl. Was jedoch den errechneten, halben Stellplatz betrifft, obliegt es der Verwaltung, nach Gutdünken auf- oder abzurunden. Und hier findet der Unabhängige weniger gut, dass diese Pflicht den "Großen" oft erlassen werde. Der Ausschuss schloss sich seinen Bedenken an, und entschied zumindest in diesem Fall, der Verwaltung vorzugeben, den halben Stellplatz aufzurunden.

Kratzl versagte der Bauvoranfrage der "VöBau" denoch seine Zustimmung, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass die "VöBau" Studentenwohnheime als "Negativeinrichtungen" bezeichnet hatte (siehe Bericht links).

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