Wohnungshilfe

Obdachlosigkeit: Arbeiterwohlfahrt schlägt Alarm

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Landkreis - Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ruft die Kommunen zum Handeln auf. Sie müssen endlich günstige Wohnungen bauen. Teure Mieten bringen immer mehr Landkreisbürger in Not.

Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist groß. So groß, dass auch Menschen mit mittleren Einkommen inzwischen schwer eine bezahlbare Wohnung finden. Das erleben die AWO-Mitarbeiter in der Wohnungsnotfallhilfe bei ihrer täglichen Arbeit mit Menschen, die obdachlos sind oder werden könnten.

„Die Motivation unserer Mitarbeiter ist groß“, sagt der AWO-Kreisvorsitzende Max Wagmann (lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit Max Wagmann). Die drängendste Aufgabe im Ballungsraum München sei aber die Schaffung günstiger Wohnungen. Ein Obdachloser sieht im Raum München nicht aus wie ein Bettler. „Viele Menschen leben ohne Mietvertrag bei Familie oder Freunden, die meisten haben sogar eine Arbeit“, sagt Stefan Wallner, „anerkannte Flüchtlinge bleiben in Unterkünften, weil sie auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben“. 

2015 waren im Landkreis 2323 Menschen von Obdachlosigkeit bedroht, davon 750 Kinder

Gemeinsam mit Angela Pfister-Resch leitet Wallner die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit (FOL) an der Balanstraße in München, die der Landkreis seit neun Jahren finanziert. Die vielfältigen Hilfen der AWO-Mitarbeiter sind sehr gefragt: 2015 waren im Landkreis 2323 Menschen von Obdachlosigkeit bedroht, davon 750 Kinder. Die Mitarbeiter der AWO-Fachstelle haben 1231 Fälle bearbeitet. Davon konnten sie 911 Fälle als „positiv abgeschlossen“ zu den Akten legen, das heißt, dass in diesen Fällen der Wohnraum behalten oder neuer gefunden wurde. „Das sind 74 Prozent“, sagt Stefan Wallner.

1273 Telefonberatungen in einem Jahr

(v.l.) Max Wagmann, Angela Pfister-Resch, Stefan Wallner, Angelika Martin.

Dazu kamen im vergangenen Jahr 1273 Telefonberatungen. „Das ist ein Plus von 28 Prozent. Immer mehr Menschen wissen, wohin sie sich wenden können, wenn sie ihre Miete nicht mehr zahlen können“, sagt Wallner. 

Um ihre Klienten für die Wohnungssuche zu schulen, bietet die Fachstelle Workshops und Praxiskurse an, in denen Bewerbungen geschrieben und Vorstellungsgespräche trainiert werden. Seit drei Jahren hilft die Fachstelle auch Mietern, denen eine Kündigung droht: „Unterstütztes Wohnen“ heißt das Angebot, das 2015 in 32 Fällen gefragt war. Kündigung, Räumungsklage, Zwangsräumung: Wenn die FOL eingeschaltet wird, bringt sie Mieter und Vermieter wieder ins Gespräch. „Vermieter brauchen oft eine Erklärung für das Verhalten von Mietern“, sagt Wallner.

Angela Pfister-Resch: "Es gibt immer Lösungen."

Zwei AWO-Mitarbeiterinnen besuchen gefährdete Mieter einmal pro Monat, öffnen mit ihnen die Post, erstellen einen Haushaltsplan und aktivieren das soziale Netzwerk, berichtet Angela Pfister-Resch: „Es ist erstaunlich, welche Ressourcen sich in Notsituationen auftun. Es gibt immer Lösungen. Wir haben da ziemliche Erfolge.“

Eine neue Herausforderung ist, anerkannte Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen

Auch in den drei Notunterkünften, die die AWO in Gräfelfing, Planegg und Höhenkirchen-Siegertsbrunn betreut, gibt es Lichtblicke: So konnten in den vergangenen sieben Jahren 83 Prozent der Betroffenen wieder in Wohnraum vermittelt werden. „Sie haben Arbeit gefunden und zahlen Steuern“, sagt Angela Pfister-Resch. Eine neue Herausforderung sei es nun, anerkannte Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Natürlich gebe es auch Spannungen unter den Wohnungssuchenden. „Hinter der 72-jährigen Rentnerin steht kein Helferkreis“, sagt Wallner, „aber wir behandeln jeden als Klient.“ 

Manchmal rufen auch Vermieter in der Fachstelle an, die mit einem Mieter Schwierigkeiten haben, dem sie aber eigentlich nicht kündigen wollen: „Weil er seinen Müll vor der Wohnungstür stehen lässt, statt ihn in der Tonne zu entsorgen oder weil er den Putzplan nicht einhält“, erzählt Wallner. „Wir versuchen, unsere Klienten als Mieter kompetent zu machen.“ 

Soziale Vermieter sind auf dem hart umkämpften Markt ein wichtiger Partner

Soziale Vermieter sind auf dem hart umkämpften Mietmarkt wichtige Partner für das AWO-Team. Angela Pfister-Resch berichtet von einer Dame, die in Gräfelfing fünf Wohnungen vermietet. AWO und Helferkreis vermittelten ihr eine syrische Familie. Sie machte gute Erfahrungen: Das Geld wird pünktlich überwiesen, die Familie ist integriert. Als wieder eine ihrer Wohnungen frei wurde, rief sie in der Fachstelle an: „Haben Sie nicht noch einmal solche Mieter für mich?“ Inzwischen wohnen in drei ihrer Wohnungen ehemalige Klienten.

icb

Rubriklistenbild: © dpa

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