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Abschied mit Pauken und Trompeten: Das Luftwaffenmusikkorps Neubiberg spielte 2003 in Lourdes (Frankreich) das Abschlusskonzert der Internationalen Soldatenwallfahrt. Im März 2014 werden die Neubiberger Militärmusiker das letzte Mal zusammen auftreten. Das Musikkorps im Landkreis München wird aufgelöst.

Trotz Petition mit 24.000 Unterschriften

Zapfenstreich in Neubiberg

Neubiberg - 24.000 Menschen haben mit Unterschriften für das Luftwaffenmusikkorps Neubiberg gekämpft. Vergeblich. Das Verteidigungsministerium hat gegen eine Verlängerung entschieden.

Die schlechte Nachricht kam mit der Post. „Eine Verlängerung des Bestehens des Luftwaffenmusikkorps I Neubiberg über den 31. März 2014 hinaus wird abgelehnt“, stand in dem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums. Die Auflösung ist eine Auswirkung der Bundeswehrreform, die Entscheidung hatte sich schon im Oktober 2011 angedeutet. Wirklich überrascht war der Bezirksvorsitzende Leonhard Eisner deshalb nicht, als er den Brief las – aber maßlos enttäuscht. 24 000 Unterschriften hatten ihm Hoffnung gemacht.

Verbände, Landräte und 80 Bürgermeister haben für den Erhalt des Luftwaffenmusikkorps Neubiberg (Kreis München) gekämpft. Am 3. Dezember 2012 fand eine geheime „Kommandosache“ statt. In der CSU-Parteizentrale traf sich Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt mit Abordnungen des Musikbundes, der Trachtenverbände und des Landkreistages. Ihr Ziel: die Auflösung des Neubiberger Musikkorps zumindest aufzuschieben. Denn die Entscheidung gegen die Verlängerung hat große Konsequenzen – für die Profi-Musiker, aber auch für viele Hobby-Musikkapellen in Oberbayern.

„Die Militärmusiker spielen in ihrer Freizeit für Blaskapellen, sind Dirigenten oder engagieren sich in der Musikerausbildung“, sagt Eisner. Wenn das Neubiberger Luftwaffenmusikkorps aufgelöst wird, fallen viele der Profis für die Laienorchester weg. Denn es kommen weite Fahrzeiten oder Umzüge auf sie zu.

In Bayern existieren ab April 2014 nur noch zwei Musikkorps: an der nördlichen und südlichen Landesgrenze. Die 50 Musiker aus Neubiberg – darunter fünf Frauen – bekommen Versetzungsbefehle zum Gebirgsmusikkorps nach Garmisch-Partenkirchen und zu den Heeresmusikkorps in Veitshöchheim (Kreis Würzburg) und Ulm. Einige Musiker aus Norddeutschland werden zu den Militärkapellen in ihrer Heimat versetzt. Im Zentrum Bayerns spielt die Musik nicht mehr.

Und genau deshalb kann Leonhard Eisner die Entscheidung nicht verstehen. „Ausgerechnet der zentralste Standort fällt weg.“ Auch für viele der Musiker ist das nicht nachvollziehbar. „Logistisch gesehen ist das ein Unding“, schimpft ein Soldat, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Es macht doch keinen Sinn, dass wir von Garmisch aus im Bus an München vorbeifahren, um in Nordbayern aufzutreten.“ Er muss ab kommendem Jahr täglich mehr als 100 Kilometer pendeln. Seine Hoffnung war es, dass das Garmisch-Partenkirchener Gebirgsmusikkorps in die Landeshauptstadt verlegt und dann Gebirgsmusikkorps München genannt wird. Doch die Garmischer Lobby – angeführt von Alexander Dobrinth, dem CSU-Generalsekretär und Bundesabgeordneten für den Wahlkreis – setzte sich durch. Die Gebirgsjäger bleiben dort, wo die Berge sind.

Und die Musiker müssen sich auf lange Busfahrten zu ihren Auftritten einstellen. Bislang ist das die Ausnahme. Letzte Woche gab es diesen Fall aber. Das Luftwaffenmusikkorps Neubiberg reiste in den Kosovo zur NATO-geführten Einheit der Bundeswehr. Der viertägige Einsatz begann mit einer Busreise nach Köln, denn dort startete der Transallflug über Bayern ins Krisengebiet. Stundenlange Busfahrten statt Zeit zum Proben – darauf müssen sich die Neubiberger ab April 2014 gewöhnen. „Das wird den Nachwuchs abschrecken“, vermutet der Bezirksvorsitzende Eisner. Und der fehlt den Musikkorps sowieso schon. In den kommenden fünf Jahren werden viele Militärmusiker pensioniert, kaum ein Musiker meldet sich noch zu den Ausbildungslehrgängen der Bundeswehr an. Die letzten Lehrgänge endeten 2010.

Der Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt denkt inzwischen über einen Reservistenzug Neubiberg nach. In der vergangenen Woche fand das erste Gespräch mit Interessenvertretern in der Bundeswehrhochschule statt. Nächsten Montag gibt es einen weiteren Runden Tisch in der CSU-Parteizentrale. Einige Neubiberger Militärmusiker bezeichnen diese Pläne als „kompletten Nonsens“. Auch Eisner ist sicher: „Zivilisten in Uniformen, die als Musikkorps auftreten – das ist kein Ersatz.“ Aus militärischer Sicht ist die Entscheidung des Verteidigungsministeriums vielleicht begründet, sagt er. „Für die Bemühungen, ein zentrales, professionelles Blasorchester zu erhalten, von dem besonders Laienorchester profitieren, ist es ein schwerer Schlag.“ Für ihn steht fest: Die Unterstützung der Profimusiker in den bayerischen Musikkapellen wird wohl künftig leider eine Ausnahme sein.

Klaus Wiendl und Katrin Woitsch

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