Gegen Vorurteile und Ungleichbehandlung: Die Darsteller als Einheit mit einem großen Ziel. Foto: Gerald Förtsch

Zeichen gegen Rassismus am Carl-Orff-Gymnasium

Unterschleißheim - Ungeschönt, ungeschnitten und vor allem unzensiert war ein ganz besonderer Theaterabend im Unterschleißheimer Bürgerhaus. Bei dem deutsch-südafrikanischen Theaterprojekt „Uncut" drehte sich alles um Kleidung, Haare und Identität. Vor allem aber regte der zweisprachige Bühnenabend zum Nachdenken an, wie auf der Welt zwischen Menschen unterschieden wird.

Männliche wie weibliche Schüler des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasiums spielten zusammen mit Schülerinnen der „Eersterivier Secondary School“ aus Südafrika gemeinsam diverse Szenen. Diese vermittelten tiefe Einblicke in die Geschichte des afrikanischen Landes und auch die dortigen Rituale.

So erzählt eine Szene, wie ein junges Mädchen beim Prozess des Frauwerdens vergewaltigt, an einen älteren Mann verkauft und verheiratet wird. Ein anderes Bild zeigt die Beobachtungen eines Mädchens im Ruandakrieg. Diese Szene haben die jungen Schauspieler den Opfern fremdenfeindlicher Attacken in der jüngsten Vergangenheit gewidmet. Denn dazu muss man leider nicht nach Ruanda gehen...

Der zweite Teil des eindrucksvollen Theaterabends widmet sich dann Problemen wie dem Zwang zu Markenklamotten oder dem familiären Zwang, dass ein Mädchen sich eine Dauerwelle machen lassen muss. Ein anderes Mädchen erfährt gegenüber ihrer Schwester Nachteile, weil diese die hellere Haut hat. In die Szene mit der Dauerwelle bauten Jill Markrams Unterschleißheimer Co-Regisseure Michael Blum und Steffi Höcherl gleich noch ein Dutzend der beliebtesten Blondinenwitze ein.

Der Kreis schließt sich bei vielen Szenen, in denen Menschen von anderen ungleich behandelt werden. Diese Vorurteile gibt es in vielen Formen über die ganze Welt verteilt. Mit Witz und frechen Überspitzungen wurden diese Details aus dem Leben auf der Bühne lächerlich gemacht und in ihrer Nichtigkeit entlarvt. Der Theaterabend wechselte immer wieder hin und her zwischen deutschen und englischen Texten.

Bei den finalen Szenen waren dann die Unterschleißheimer Schüler und ihre Mitspieler aus Südafrika kaum noch auseinander zu halten, als alle gemeinsam zum bayerischen Lied „Schau doch net so bös“ tanzten. Nach dem Theater wurde es in der Mitte der Jubelstürme des Publikums sehr emotional. Jill Markram, die südafrikanische Regisseurin, dankte ihren Freunden aus Unterschleißheim: „Dafür, dass wir unsere Geschichte mit euch teilen durften. Dieser Austausch ist mehr wert als Geld.“ COG-Lehrer Michael Blum betonte, dass in den vergangenen zwei Wochen bei der gemeinsamen Probearbeit alle Unterschiede zwischen den Jugendlichen vergessen waren (wir berichteten). „Auf der Bühne waren wir eine Einheit mit einem großen Ziel“, sagte Blum. Deshalb war dieses außergewöhnliche Theaterprojekt ein kleiner Schritt hin zu einer Welt, in der alle Menschen gleich sind. nb

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