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Einmal von Harthausen nach Hamburg in zehn Tagen: Mit diesem einfachen Rad ist Richard Rojt weite Strecken gefahren, auch bis in die Hansestadt.

Nachruf

Zerfledderter Ausweis führte Robert Rojt zu vier Geschwistern

Harthausen -  Drei Tage vor seinem 80. Geburtstag ist Robert Rojt gestorben. Nicht nur seine Familie, sondern viele aus Harthausen werden den lebensfrohen Rojt und seinen Humor vermissen.

Richard Rojt hatte ein bisschen etwas von Karl Valentin, sagt sein jüngster Sohn Klaus. Und erinnert sich an einen Spruch seines Vaters: „Neue Schuhe drücken drei Wochen – aber da zieh’ ich sie eh nicht an.“ Nicht nur seine Familie, sondern auch die Harthauser Veteranen und die Stockschützen sowie viele aus dem Dorf werden Richard Rojt und seinen Humor vermissen. Drei Tage vor seinem 80. Geburtstag ist der aus dem Weiler Falkenberg (Kreis Ebersberg) stammende ehemalige Waldarbeiter gestorben.

Um seine Ehefrau Maria und die drei Söhne Hubert, Johann und den 1,90 Meter großen Klaus, den er immer liebevoll den Kleinen nannte, zu ernähren, trug Richard Rojt über 30 Jahre nebehnher den Münchner Merkur aus. Für die Leser gab es dann zu Weihnachten kleine selbstgedichtete Verserl und mit der Handwalze kopierte Rätsel. Und als einmal auf Grund eines Druckereifehlers eine Seite leerblieb, verteilte er die Zeitung mit den Worten: „Die hab’ ich schon ausgelesen.“

Richard Rojt nimmt so manche Kuriosität mit ins Grab. Doch in seiner Familie leben die Anekdoten weiter. Etwa die, wie der Vater, immer in der Meinung, er habe keine Geschwister, durch einen unglaublichen Zufall zu vier Schwestern gekommen ist: In den 1950er-Jahren war das. Da hatte Richard Rojt seinen Personalausweis in einer Hose vergessen, die in die Waschmaschine wanderte. Der Ausweis kam total zerfleddert und ausgebleicht aus der Trommel. 

Was Richard Rojt, Waldarbeiter aus dem Sauerlacher Staatsforst, dann doch verunsicherte, als er mit einem Linienbus über die deutsch-österreichische Staatsgrenze fahren wollte. Er gab dem Busfahrer den Ausweis zur Begutachtung – doch den interessierte der Zustand des Papiers viel weniger, als der eher ungewöhnliche Familienname Rojt. Denn die Ehefrau des Busfahrers war eine gebürtige Rojt. 

Und so kam Richard nicht nur nach Österreich, sondern auch zu seiner, von ihm bereits in frühester Kindheit getrennten, Schwester, die von seiner Existenz ebenso wenig gewusst hatte wie er von ihrer. Sie stellte den Kontakt zu den übrigen drei Schwestern her. Und von da an gab es einen sporadischen Kontakt zu den vier Schwestern, denn die Entfernung ins Chiemgau war groß und der Waldarbeiterlohn reichte vorne und hinten nicht.

Für ein Auto schon gar nicht. So fuhr Rojt immer mit dem Radl. „Eine Leidenschaft von ihm“, sagt sein Sohn Klaus. Aber auch da reichte es nur zu einem ganz einfachen Rad ohne Schnickschnack und tausend Gängen. Was Richard Rojt nicht davon abhielt, damit im Jahr 1983 in nur zehn Tagen von Harthausen nach Hamburg zu fahren. „Mit dem hat er auch alle Biergärten in der Umgebung erkundet“, wie sich Sohn Klaus erinnert.

Trotz seines harten Lebens als Waldarbeiter, war das Gründungsmitglied der Stockschützen ein positiver Mensch. Er nahm das Leben mit Humor und schrieb sich seitenweise Witze auf, die er gerne zum Besten gab. Der Schalk saß ihm im Nacken, So auch, als er beim Verlesen des Kassenberichtes bei den Veteranen den Vorschlag machte, die Vereinsgelder nicht auf einem Banksparbuch anzulegen, sondern in Schnaps. „Da bekommen wir garantiert 38 Prozent.“

Franz Köppel

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