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Rappelvoll: Mehr als 500 Menschen drängen sich im Fetstadl Aschheim.

Infoabend über Flüchtlings-Notunterkunft

Zerreißprobe für Dornach und Aschheim

Dornach - Die Notunterkunft für Flüchtlinge im Gewerbegebiet Dornach wühlt die Menschen auf. Die Bürger aus Aschheim und vor allem aus dem Ortsteil Dornach teilten sich beim Infoabend in zwei Lager auf.

In einer emotionalen, teils hitzigen Diskussion äußerten einige ihre Ängste, während andere helfen wollen und sich erschreckt über Vorurteile zeigten. Bereits bei den Eingangsstatements von Maria Els, Vizepräsidentin der regierung von Oberbayern, Landrat Christoph Göbel und Bürgermeister Thomas Glashauser wurde es unruhig im Feststadl. Die Menschen hatten viele Fragen und nicht wenige auch Sorgen um ihre Sicherheit mitgebracht. Deshalb interessierte es viele nicht, dass Maria Els über 71.000 in München angekommene Flüchtlinge zwischen 31. August und 14. September sprach und Landrat Göbel die Hilfsbereitschaft als „sehr, sehr gutes Zeichen des Landkreises München“ adelte. Mit Zwischenrufen und dann auch in den ersten Fragen wurden Zahlen gefordert zur Notunterkunft Dornach.

„Der erste Gedanke waren 500 bis 700, und dann ist es dahin galoppiert“, sagte Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser. Die bei vielen Bürgern im Raum stehende Zahl von bis zu 5000 Flüchtlingen wurde nicht genannt.

Maria Els sprach von 1000 Plätzen im ersten Gebäude am Wendelsteinring 12 und dem anliegenden Bürogebäude, in demeine weitere Notunterkunft entstehen könnte (wir brichteten). Für diese konnte sie noch keine Zahl nennen. Konkreter waren die Äußerungen zu den mittelfristigen Plänen. Die Notunterkunft Dornach II soll in naher Zukunft wieder aufgelöst werden. Dornach I möchte die Regierung von Oberbayern laut Els dauerhaft anmieten als Erstaufnahmeeinrichtung.

In einer Notunterkunft könnten Flüchtlinge bis zu drei Tage untergebracht werden, in einer Erstaufnahme während des Asylverfahrens für drei bis sechs Wochen. Eine Erstaufnahme beherberge dann weniger als 1000 Menschen, weil es neue Büros, Sozial- und Gemeinschaftsräume brauche.

Michaela Jansen sorgt sich wegen der Masse von Flüchtlingen im 1400-Seelenort Dornach.

In der Diskussion wurde deutlich, dass viele Menschen gerade in Dornach Angst haben vor der Einrichtung. „Wir haben Angst, denn jetzt sind wir in der Minderheit“, sagte eine Frau aus dem 1400 Einwohner kleinen Dornach. Moderator Tom Meiler vom Bayerischen Rundfunk brachte einige Wortmeldungen auf den Punkt: „Es herrscht Sorge nicht wegen den Menschen, sondern wegen der Masse der Menschen.“

Michaela Jansen fragte, wie sichergestellt werde, dass sich die Flüchtlinge nicht alle aufmachen in die wenige Hundert Meter entfernten Wohngebiete. „Die Leute sind ja nicht eingesperrt“, sagte dazu Karl-Heinz Schilling von der Polizei Haar. „Und es gibt auch keine Rechtsgrundlage sowie keine Erfordernis, diese Leute festzuhalten!“ 

Landrat Christoph Göbel entgegnete, dass es bisher bei Flüchtlingsunterkünften keine Straftaten gab: „Oft ging es um kleine Streitereien wie um eine Steckdose, an der das Mobiltelefon aufgeladen werden kann.“

Auf der anderen Seite meldeten sich Menschen, die den Flüchtlingen die Hand reichen möchten. „Die Leute sind willkommen, nur nicht bei uns“, wunderte sich Bruni Flick aus Aschheim über die Diskussion im Feststadl. Schließlich freue sich derzeit jeder, dass Münchens guter Ruf in der Welt rapide wachse. Birga Gatzweiler aus Aschheim vermisste die Diskussion, wie man den Menschen denn helfen könne.

Nahid Shahalmi, hier mit Moderator Tom Meiler.

Besonders emotional war die Wortmeldung von Nahid Shahalmi. „Ich bin vor 30 Jahren geflohen“, sagte sie, „und davor wäre ich in Kabul fast umgebracht worden, weil ich zu europäisch aussehe.“ Sie gab zu bedenken, dass kein Mensch freiwillig und einfach so seine Heimat verlasse.

Simone Mainx aus Dornach fragte, wie die Integration von 1000 Menschen funktionieren solle. Hierauf entgegnete Regierungsvizepräsidentin Maria Els, dass sich sowohl in den bis zu drei Tagen in der Notaufnahme oder auch in einer Erstaufnahme mit drei bis sechs Wochen dieses Thema nicht stelle. Die Integration in die Gesellschaft werde erst am endgültigen Aufenthaltsort wichtig. Els bot an, vor dem Start der Erstaufnahme in Dornach einen weiteren Infoabend abzuhalten. Deutlich wurde, dass die Menschen mitgenommen werden wollen.

Nico Bauer

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