1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

Ziegel reißen Kluft in Kirchenharmonie

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

- Großdinghartinger drängen auf Sanierung von Kirchendach

VON MARC SCHREIB Großdingharting - Das Gotteshaus in Großdingharting, die Kirche St. Laurentius, ist vom First bis zur Traufe mit flachen Biberschwanzziegeln bedeckt. Sie sehen zwar malerisch aus und fügen sich in ihren Grau- bis Rottönen ausgezeichnet ins örtliche Ensemble ein. "Aber de facto sie sind steinalt, einige brechen in der Mitte ab, schlittern übers Dach und fallen auf den Friedhof. Sie zerstören auf Dauer die Bausubstanz", sagen Hans Beierbeck und Albert Geiger von der Kirchenverwaltung am Ort.

Erst vor kurzem, Ende der 80er Jahre, sei das Dach in toto ausgewechselt worden. "Der Architekt entschied sich für Platten, die mindestens 150 bis 200 Jahre alt sein müssen", so Beierbeck. Das rief damals schon Unverständnis bei einem Teil der Großdinghartinger hervor, "zumal man ein völlig intaktes Dach ersetzt hat". Es sei abzusehen gewesen, dass die Ziegel nicht lange halten würden, mit schlimmen Konsequenzen müsse gerechnet werden, falls nicht bald etwas unternommen werde. "Die maroden Ziegel hinterlassen Lücken", sagt Beierbeck. Beim Blick ins Kirchenschiff sah er, wie das Licht durch kleine Schlitze aufs Gewölbe und auf den Boden fällt. Außerdem fand er fein gepuderten Flugschnee auf dem Kirchenboden liegen, der durch die Schlitze am Gebälk geblasen werde. "Mag weihnachtlich aussehen, harmlos ist das keineswegs." Menschen würden gar gefährdet, wenn die Ziegel auf die Gräber des Friedhofs fallen. "Altbürgermeister Lorenz Lang, dessen Familiengrab ein paar Schritte von der Kirchenmauer entfernt liegt, klaubt sporadisch hier und da Dachplatten auf", erzählt Geiger.

So könne es nicht weiter-gehen. Daher stellte die Kirchenverwaltung am 7. Juli beim Erzbischöflichen Ordinariat in München einen Antrag, das Dach zu reparieren und die anfallenden Kosten zu übernehmen. Bislang aber "gab es keine Zusage". Vielmehr vertrete die Kirchenbehörde den Standpunkt, dass die örtliche Verwaltung das Problem vorerst mit eigenen "Ältere Ziegel sind häufig qualitätvoller" Mitteln bzw. der zugewiesenen Baupauschale von 4000 Euro in den Griff bekommen müsse. "Aber die Ausbesserungen allein kosten 5000, von einer Komplettsanierung ganz zu schweigen", so Beierbeck und Geiger. Als Grundübel bezeichnen die beiden die behördlichen Wege. "Bei der neuen Dacheindeckung wurden wir nicht gefragt. Das hat dem Architekten so gefallen, und basta."

Der Pressesprecher des Ordinariats, Winfried Röhmel, hält die Vorwürfe für aus der Luft gegriffen. Zunächst einmal sei das Alter für die Qualität der Ziegel nicht entscheidend. "Im Gegenteil, ältere sind häufig sogar besser, weil sie sehr sorgfältig gearbeitet wurden", so Röhmel. Im Übrigen sei die örtliche Kirchenverwaltung bei der Entscheidung in den 80ern eingebunden gewesen.

"Der Architekt ist jetzt damit beauftragt, den Zustand zu prüfen", sagt Röhmel. Gegebenenfalls werde im nächsten Frühjahr über eine Sanierung entschieden. Von einem maroden Dach zu sprechen, hält er für völlig übertrieben, zumal sich ein Sachexperte vom Baureferat des Ordinariats vor Ort bereits ein Bild gemacht habe. Es handle sich nach derzeitigem Sachstand um einzelne schadhafte Stellen. "Die Bausubstanz der Kirche ist mitnichten bedroht. Über Geld könne momentan noch gar nicht gesprochen werden, "aber die Dinge verlaufen in der Ordnung, sind im Fluss".

Auch interessant

Kommentare