Mit Zivilcourage Zeichen gesetzt

- VON HEIKE WOSCHÉE Unterhaching - "Solche Ausstellungen werden nicht zur Erinnerung, sondern für die Zukunft gemacht", erklärte Wolfgang Huber, der Sohn des im Dritten Reich ermordeten Widerstandskämpfers Professor Kurt Huber bei der Ausstellungseröffnung "Widerstand im 3. Reich - Straßennamen in Unterhaching" im Rathausfoyer.<BR>

<P>"In Zeiten, in denen neonazistische Gruppen wieder in Parlamente einziehen, heißt es wachsam sein", mahnte Wolfgang Huber. Auch Caspar Graf von Stauffenberg, der Enkel des am Hitlerputsch beteiligten Offiziers Claus Graf von Stauffenberg, betonte die Aktualität, die die Diskussion um Widerstand und Zivilcourage angesichts der jüngsten Landtagswahlergebnisse in Deutschland hat. Ein Zeichen der Solidarität setzten mit ihrem Kommen zur Ausstellungseröffnung rund 150 Bürger, die dicht gedrängt die zahlreichen Ansprachen verfolgten.<P>In der Ausstellung werden zwölf Widerstandskämpfer, nach denen Unterhachinger Straßen benannt wurden, näher vorgestellt. Konzipiert wurde sie vom Förderverein Unterhachinger Heimatmuseum unter Federführung von Maxi Besold und der Grafikerin Sabine Hüttenkofer. Auf die Idee zu dieser Ausstellung sei sie anlässlich der Benennung der Adolf-Reichwein-Straße gekommen, da kaum einer der befragten Passanten gewusst habe, wer dieser Mann eigentlich war.<P>Auch andere Widerstandskämpfer wie Julius Leber oder Alexander Schmorell seien vielen Bürgern einfach unbekannt. Dagegen wolle sie etwas tun, berichtete Maxi Besold gegenüber dem Münchner Merkur. So galt der Dank an diesem Abend vor allem ihr, die mit viel Herzblut Informationen und Bildmaterial über Professor Kurt Huber, Julius Leber, Alfred Delp, Wilhelm Leuschner, Willi Graf, Alexander Schmorell, Dietrich Bonhoeffer, Karl Friedrich Goerdele, die Geschwister Sophie und Hans Scholl, Claus Graf Schenk von Stauffenberg und Adolf Reichwein zusammengetragen und zu einer eindringlichen Ausstellung zusammengestellt hat. Dazu hatte sie unter anderem auch Kontakt zu den Angehörigen der Widerstandskämpfer gesucht, die zahlreich zur Ausstellungseröffnung erschienen.<P>Harald Nottmeyer, der Vorsitzende des Fördervereins, betonte den Wert dieser Arbeit, die die Geschichte lebendig mache und gegen das Vergessen wirke. Den Festvortrag hielt Professor Hartmut Mehringer vom Institut für Zeitgeschichte. Er beleuchtete den geschichtlichen Zusammenhang, in dem die zwölf Widerstandskämpfer standen. Alle stammten sie aus dem Widerstand während des Zweiten Weltkrieges. "Nicht vergessen sollte man aber auch die Gruppen, die schon vor Kriegsbeginn gegen das Hitlerregime rebellierten", erklärte der Historiker. Der Widerstand dieser zwölf Menschen stehe für einen tiefen Glauben an einen rechtsstaatlichen Aufbau eines Landes, an humanistische und christliche Ideale, betonte er.<P>"Auch zivilen Ungehorsam braucht es" <P>Den feierlichen Rahmen unterstrich mit seinem Spiel das Querflöten-Ensemble der Musikschule. Das Schlusswort sprach an diesem bewegten Abend Maxi Besold selber, die rund ein Jahr Arbeit in die zwölf Bildtafeln steckte, die nach Beendigung der Ausstellung am 10. Dezember in das Heimatmuseum kommen werden: "Demokratie ist nicht selbstverständlich, sie muss jeden Tag neu gelebt werden. Dazu braucht es Zivilcourage im Alltag, wenn nötig auch zivilen Ungehorsam gegen den Staat, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte und der Demokratie geht."<P>

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