Reaktionen zum S-Bahn-Ausbau

"Zweite Stammstrecke allein reicht nicht"

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Landkreis - Die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn kommt. Bund und Freistaat haben sich über die Teilung der Kosten geeinigt. Bürgermeister aus dem Landkreis begrüßen das grundsätzlich, hoffen aber, dass auch die Außenäste ausgebaut werden.

Die Nachricht, dass die zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn gebaut wird, ist im Landkreis größtenteils auf Wohlwollen gestoßen. Viele Bürgermeister begrüßen, dass das Projekt nach jahrelangem Hin und Her endlich entscheidend vorankommt und dadurch die Weichen für ein zukunftsfähiges S-Bahn-System gestellt werden. Gleichwohl hält sich die Begeisterung in Grenzen. So mancher Rathauschef befürchtet, dass Bund und Freistaat wegen des teuren zweiten Tunnels in der Stadt die Ertüchtigung der Außenäste hinten anstellen werden. Der Grünen-Bundestagsfraktionschef Toni Hofreiter aus Sauerlach spricht vor diesem Hintergrund gar von einem „bayerischen Stuttgart 21“. 

Bund, Freistaat und Stadt haben sich am Dienstagnachmittag bei einem Gipfel in der Staatskanzlei auf die Verteilung der Kosten für die umstrittene zweite Stammstrecke verständigt. Die Rede ist von Kosten in Höhe von rund 3,84 Milliarden Euro. Der Bau könnte schon in wenigen Monaten beginnen. „Das wurde auch Zeit“, sagt CSU-Landrat Christoph Göbel. Er verweist auf heillos überfüllte Züge und Bahnsteige zu den Stoßzeiten. Das öffentliche Verkehrssystem „funktioniert ja eigentlich gar nicht mehr“, sagt er. Mit der zweiten Stammstrecke könne man das bestehende Fahrgastaufkommen bewältigen. Doch das sei nur eine von mehreren Maßnahmen, um den Siedlungsdruck zukünftig zu verarbeiten. Daher sehe er es wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dieser hatte gesagt, „dass jetzt die Weichen für ein zukunftsfähiges S-Bahnsystem im Großraum München gestellt werden“. 

Grünen-Bundestagsfraktionschef Toni Hofreiter dagegen hält wenig vom Bau eines zweiten Tunnels. Er spricht von einem „drohenden Milliardengrab“. Die Stammstrecke betoniere den „Münchner Zentralismus“. Die Fahrgäste würden stattdessen den Ausbau der Außenäste benötigen, genauso wie mehr Züge und bessere tangentiale Verbindungen. „Das brächte einen viel höheren Nutzen als das Prestigeprojekt zweiter Tunnel mit vielen Jahren Bauzeit, in denen sich nichts ändert.“ Laut Bahn können mit der zweiten Stammstrecke die Takte auf einzelnen Linien verdichtet werden. Demnach verkehrt die Linien S1 nach Freising und die S2 nach Erding dann im 15- statt wie bisher im 20-Minuten-Takt. Das bedeutet 30 Prozent mehr Fahrten pro Tag. 

Unterschleißheims SPD-Bürgermeister Christoph Böck glaubt, dass durch den zweiten Tunnel insbesondere „die Störanfälligkeit der S1“ minimiert werden könne, weil eine kaputte S-Bahn nicht mehr alles lahmlege. Zudem sollen die Fahrgäste schneller das Zentrum erreichen können. Für die S4 nach Ebersberg ist geplant, dass neben den S-Bahnen im 15-Minuten-Grundtakt auch ganztägig Express-S-Bahnen im 30-Minuten-Takt verkehren. Letztere halten nicht an allen Stationen, um schneller zum Marienplatz zu fahren. 

Haars SPD-Bürgermeisterin Gabriele Müller ist noch vorsichtig, wenn es um Vorteile durch das Projekt geht. Sie hofft, dass sich der Service der S-Bahn verbessert. Aber in Anbetracht überfüllter Straßen wie der B 304 in ihrer Gemeinde sagt sie: „Alle Verkehrsmittel in und um München stoßen an ihre Grenzen.“ Daher müsse der gesamte öffentliche Personennahverkehr ertüchtigt werden. „Es ist ein wichtiger Baustein, aber eine zweite Stammstrecke allein reicht nicht.“ So sieht das auch Stefan Schelle, Bürgermeister von Oberhaching. Für seine Gemeinde habe der zweite Tunnel „nur positive Auswirkungen“, sagt der CSU-Politiker. Pünktliche und taktdichte S-Bahnverbindungen seien für die Region überlebensnotwendig. „Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben. Wir brauchen noch mehr S-Bahn im System, weiter raus in die Region.“

 Auch Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl hofft, dass Bund und Freistaat den Ausbau der S-Bahn in der Region miteinkalkulieren. „Die Außenäste müssen ertüchtigt werden. Und das muss gleichzeitig passieren“, sagt der CSU-Politiker, der auch Sprecher des S-Bahn-Bündnis Ost ist. Die „Flaschenhalssituation“ drohe sich auf der S2 zu dramatisieren, wenn mit der Stammstrecke nur bis zum Ostbahnhof und erst wieder ab Markt Schwaben Gleise ausgebaut werden.

Thomas Radlmaier

Rubriklistenbild: © mmh

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