Zweiter Austritt im Stadtrat: Es bröckelt bei der SPD

Unterschleißheim - Es knirscht bei der SPD Unterschleißheim. Nach dem Rückzug von Uli Piller (36) als Stadtrat, geht jetzt auch Axel Schröter (60). Beide gehörten dem Gremium mehr als zehn Jahre an. Und mit Schröter verliert die SPD einen ihrer Recken. Besonders bitter dabei: Schröter wirft nach einem Streit mit SPD-Stadtratskollege Alexander Kieslich (26) hin , dem Ortsvorsitzenden und stellvertretenden Fraktionssprecher.

Innerhalb von zwei Wochen haben erst Piller, dann Schröter ihren Austritt bekanntgegeben. Piller nennt persönliche Gründe. Zu stressig ist es, Beruf, Familie und Ehrenamt zu vereinen. Dass seine Motive nichts mit denen von Schröter zu tun haben, darauf weist Piller auf Facebook hin. Eine etwas seltsame Offenbarung, die aber offensichtlich richtig ist. Denn wie Schröter sagt, hat er seine Entscheidung getroffen in Folge einer Auseinandersetzung mit Kieslich. Der hatte in einer Mail kritisiert, dass sich Schröter im Stadtrat gegen eine Verkehrsüberwachung in der Stadt ausgesprochen hatte. Der Antrag war von den Grünen und der ÖDP gekommen. Und weil neben Schröter auch Georg Schaller (71) und Katharina Bednarek (beide SPD) Nein sagten, ging der Antrag mit 14 zu 17 Stimmen gar nicht erst weiter zur Bearbeitung in die Verwaltung.

Ein solches Abstimmungsverhalten sei unverschämt und unsolidarisch, meckerte Kieslich hernach per Mail mit Verteiler an den Ortsvorstand. Ein Vorgehen, dass Bednarek und Schaller ebenfalls ärgerte, das vor allem Schaller jedoch der „Jugend“ Kieslichs zuschreibt. Der 26-Jährige habe sich zwar klar im Ton vergriffen, sagt Schaller, aber: „Er ist jung, vielleicht zu jung und zu spontan.“ Eine Jugendsünde also. Aber eine, die Schröter nicht sehen konnte. Er forderte eine Entschuldigung, drohte mit Austritt. Und als Kieslich sich weigerte zurückzurudern, machte Schröter seine Drohung wahr.

Nach 13 Jahren als Stadtrat gibt er heute seinen Schlüssel vom Fraktionszimmer ab. „Ich habe fertig“, sagt er. Was in Zukunft sein wird, lässt er offen. Dass er Kieslich als Ortsvorsitzenden nicht unbedingt unterstützen möchte, sagt er dann aber doch. Überhaupt habe es nie so gut zwischen ihnen beiden gepasst. Vor sieben Jahren war Kieslich in die SPD gekommen. Schröter war damals Ortsvereinsvorsitzender gewesen. So ändern sich die Zeiten. Die Jungen übernehmen.

Gerade das könnte, wenn man Schaller glauben darf, ein Problem der SPD in Unterschleißheim sein. Die Jungen agieren anders, forscher als es die Alten aus ihrer Jugendzeit kennen. Statt des persönlichen Gesprächs werden Mails verschickt. Und manchmal fehlt der Respekt.

Kieslich selbst klingt ein wenig zerknirscht am Telefon. „Ich finde es sehr schade, dass Axel Schröter geht“, sagt er ein paar Mal mit Verweis auf dessen politische Erfahrung. Er habe den Fehler gemacht, nicht mit Schröter zu reden. Seine Mail allerdings sei „emotional-kritisch, aber sachlich“ gewesen. Er dürfe seine Meinung ebenso äußern wie es Schröter und die anderen getan hätten. Dass das Porzellan nun zerschlagen ist, muss er hinnehmen. Über Reaktionen aus Fraktion und Ortsverein mochte Kieslich nicht sprechen. Im Januar wird es eine Klausur geben. Dann wird beraten, wie es weitergehen soll. Wie weiteres Knirschen vermieden werden kann. Höchste Zeit wohl. Denn Schröter schickt der SPD hinterher, es habe „,mal mehr Spaß gemacht“. Und Schaller spricht von einer „gewissen Entzweiung“ in den eigenen Reihen.

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