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Ausbrechen statt wegducken: Für viele Opfer häuslicher Gewalt ist das Frauenhaus die erste Anlaufstelle. Eine zweite Einrichtung wird es im Landkreis vorerst nicht geben.

Bedarf soll nicht gegeben sein

Zweites Frauenhaus im Landkreis abgelehnt

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Es gibt kein zweites Frauenhaus im Landkreis München. Die Betreuer sehen Bedarf, das Landratsamt nicht. Der Kreis-Sozialausschuss lehnte ab.

Landkreis – Vorerst gibt es kein zweites Frauenhaus im Landkreis München. Den Antrag der SPD für eine solche zweite Hilfeeinrichtung hat der Kreis-Sozialausschuss abgelehnt. Die Begründung: Es gebe keinen Bedarf. Wie es aus dem Landratsamt heißt, waren einige Frauen, die in den zurückliegenden Monaten beim Frauenhaus abgewiesen wurden, nicht Opfer häuslicher Gewalt geworden, sondern eher von Wohnungsnot bedroht.

Den Anstoß für den SPD-Antrag gab die Informationsveranstaltung zum „Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen“ am 24. November 2016 im Landratsamt. In dessen Rahmen schilderte die Frauenhaus-Leiterin Maria Colell nicht nur die Arbeit und den Alltag in der Einrichtung, sondern sprach auch den großen Bedarf an, der über die Kapazitäten der Einrichtung hinaus gehe. Im Frauenhaus finden sieben Frauen und 13 Kinder zeitgleich Unterschlupf. Tanja Böhm von der Interventionsstelle Landkreis München (ILM) bezeichnete damals die Eröffnung des ersten Frauenhauses im Landkreis am 8. April 2016 als „wichtigen Schritt“, forderte aber zeitgleich auch: „Auf dem darf sich der Landkreis nicht ausruhen.“

Sorgen bereitete der SPD auch die lange Vorlaufzeit bis zur Fertigstellung einer solchen Unterkunft. Kreisvorsitzende Bela Bach fand den Antrag „auf den ersten Blick plausibel“. Allerdings erinnerte sie auch daran, dass die Stadt München aktuell für ausreichend Anlaufstellen sorge. Dort können auch Frauen und Kinder aus dem Landkreis unterkommen. Die Kosten trägt der Kreis.

Frauen können, wenn es die Kapazitäten der Einrichtung hergeben, wählen, in welchem Frauenhaus sie aufgenommen werden möchten. Wer weit weg möchte vom prügelnden Ehemann, kann sich beispielsweise in Hamburg um einen Platz bewerben. „Andere wiederum bleiben der Kinder wegen hier“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts. Momentan sei das Haus im Landkreis nicht ausgelastet.

Drei Einrichtungen in der Stadt München sowie eine im Landkreis gibt es für die Region. Da aber die Frauenhäuser in der Stadt unter verschiedener Trägerschaft stehen, vermissten die Kreisräte exakte Zahlen.

Die Verantwortlichen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), der als Träger der Einrichtung fungiert, sehen Möglichkeiten, um die Kapazitäten im Landkreis-Frauenhaus zumindest kurzfristig um zwei Plätze aufzustocken. Allerdings hätte das Folgen für die Betreuung: Der Landkreis müsste dann eine zusätzliche Betreuungsstelle genehmigen.

Frauke Schwaiblmair (Grüne) hielt es viel mehr für wichtig, für ausreichende Nachsorge-Einrichtungen zu sorgen. „Anschlussunterbringung in zentralen Wohnungen, wo Frauen begleitet ins Leben zurückfinden: Das ist, was im Landkreis München heute noch fehlt“, sagte die Kreisrätin. „Es braucht Jahre, um sich aus dem alten, gewaltbelasteten Umfeld zu lösen.“ Schwaiblmair geht von 12 bis 18 Monaten aus, um den Absprung aus dem Umfeld in Gewalt tatsächlich zu schaffen. ILM-Vertreterin Sonja Saxinger sprach beim Infotag hingegen sogar von „durchschnittlich sieben Jahren“. „Wir dürfen nicht vergessen, dass immer wieder Frauen auch nach einem Aufenthalt im Frauenhaus in Gewaltbeziehungen zurückkehren“, sagte Schwaiblmair. Frauenhaus-Leiterin Colell hatte diese Einschätzung beim Info-Tag bestätigt: Rund 10 von 19 betreuten Frauen kehrten ihr zufolge zum Ehemann zurück. Das Landratsamt kündigte an, den Bedarf für eine begleitete Anschluss-Unterbringungen für Frauen zu prüfen.

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