Abgespeckt, doch noch immer unbeliebt

Anwohner laufen Sturm gegen Projekt „Wohnen für Alle“

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Anwohner laufen Sturm gegen das geplante „Wohnen für Alle“-Projekt an der Franz-Albert-Straße in Allach. Die Planung wurde gegenüber der ursprünglichen Variante zwar deutlich verkleinert. Bei einem Infoabend der Gewofag hagelte es trotzdem Kritik.

Schon vor rund einem Jahr hatte sich heftiger Widerspruch gegen das Projekt geregt. Die Planung war daraufhin gestoppt und überarbeitet worden. Gewofag-Sprecher Klaus-Michael Dengler versuchte nun in der Krauss-Maffei-Kantine, rund 180 Anwohnern die aktualisierte Variante schmackhaft zu machen. Statt 85 sollen nun nur noch 52 Wohnungen entstehen. Im Gegenzug wächst die Zahl der Autostellplätze von 27 auf 32.

Die Geschossfläche wird von 5900 auf 3450 Quadratmeter verkleinert, die Gebäude werden niedriger. Außerdem sollen nun auch Vier- und Fünfzimmer-Wohnungen für Familien entstehen. Die Zahl der Ein-Zimmer-Appartements sinkt dagegen deutlich von 51 auf 13. „Dadurch bekommen wir eine ganz andere Belegungsstruktur“, sagte Dengler. In die Wohnungen sollen zu 51 Prozent anerkannte Flüchtlinge und zu 49 Prozent förderfähige Haushalte einziehen.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorhabens versuchte Ulrike Klar vom Planungsreferat zu zerstreuen. „Das Grundstück hat seit 1994 Baurecht“, sagte sie. Der alte Bebauungsplan sei nach wie vor gültig. Der Stadtrat habe am 16. März 2016 beschlossen, die Fläche für das Projekt Wohnen für alle (WAL) zu nutzen.

Stadt wird Raubbau an Grünflächen vorgeworfen

Doch all das besänftigte die Allacher nicht. Gleich mehrere Versammlungsteilnehmer erklärten, dass sie sich von der Stadt verschaukelt fühlen. Die Bürgerinitiative (BI) „Erhalt der Grünfläche Franz-Albert-Straße“ verweist auf ihrer Homepage darauf, dass in besagtem Bebauungsplan von lediglich 16 Wohneinheiten die Rede sei. Anwohner Klaus Parsiegla (72) hält die alte Planung ohnehin nicht mehr für sinnvoll. Er wirft der Stadt Raubbau an Grünflächen vor.

Angst, dass ein soziales Ghetto entsteht

Seniorenbeirat Klaus Trapp befürchtet, dass mitten in Allach ein soziales Getto entstehen werde. „Viele ältere Menschen haben sich den Bau ihrer Häuser nach dem Krieg vom Mund abgespart“, sagte er. Diese Senioren hätten nun Angst vor einer Überfremdung. Trapp weiter: „Wenn die Fläche schon überbaut werden muss, warum dann nicht mit einem Kindergarten und Bänken und einem Teich für Senioren?“ Man müsse das Grundstück für kommende Generationen erhalten.

Heftige Reaktionen erntete Markus Auerbach (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) Hasenbergl-Feldmoching, der von den Erfahrungen mit einer WAL-Anlage in seinem Viertel an der Schittgablerstraße berichtete und den Allachern mangelnden Integrationswillen vorwarf. „Wenn Sie es nicht schaffen, diese Zahl von Leuten zu integrieren, sollten Sie auf sich schauen und nicht auf die anderen“, sagte Auerbach, wofür er laute Missfallensbekundungen kassierte.

Im BA Allach-Untermenzing stand man dem Projekt schon im vergangenen Jahr positiv gegenüber. Ob sich daran etwas geändert hat, sagte die BA-Vorsitzende Heike Kainz (CSU) nicht. Sie erklärte jedoch, dass schon bald eine Sondersitzung einberufen werden soll, bei der sich die Ausschussmitglieder mit den Einwendungen und Anregungen der Bürger auseinandersetzen werden.

Die Bürgerinitiative hat knapp 2000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt, mehrere Briefe an Stadt und Land geschrieben und eine Online-Petition gestartet. Außerdem soll nun geprüft werden, ob das Bauvorhaben trotz der Aussagen aus dem Planungsreferat auf rechtlichem Weg gestoppt werden kann. „Wir gehen davon aus, dass vonseiten der Stadt Formfehler begangen wurden“, sagt Cornelia Schwarz-Teubert von der Initiative.

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