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Die Eltern am Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße sind sauer.

Betreuungsmisere

Eltern fordern: Mehr Platz an unserer Schule!

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Seit Jahren herrscht Enge im Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße in Allach. Und jedes Jahr wird es schlimmer. Dabei ist das Problem seit langem bekannt.

München -  Seit Jahren herrscht Enge im Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße in Allach. Und jedes Jahr wird es enger. Auf dem Gelände befinden sich die Grundschule, das Louise-Schroeder-Gymnasium und die Carl-Spitzweg-Realschule. In allen dreien steigen die Schülerzahlen, dank Zuzug und Geburtenrekord. Doch wo schon der Unterricht kaum noch Platz hat, dort ist kein Raum mehr für Betreuung. Was Eltern wie Sven Hockemeyer verzweifeln lässt.

Im September wird seine Tochter Pauline eingeschult, seit langem hat er sie im städtischen „Kita-Finder“ angemeldet. Doch bis heute hat er keine Platzzusage – wie viele andere Familien. Die zwei Horte haben kaum freie Plätze für mehr als 100 künftige Erstklässler. Eine Ganztagsklasse gibt es nicht – weil Räume fehlen, sagt Schulleiter Jörg Weinberger. Die sieben Gruppen der Mittagsbetreuung, von Eltern organisiert, sind überfüllt.

„Brauchen eine Lösung“

„Wir brauchen eine Lösung“, klagt Hockemeyer. Im Hort hatte seine Tochter eh keine Chancen, weil seine Frau Lydia nur 20 Stunden arbeitet – obwohl sie nach Freising pendelt. In den Mittagsbetreuungsgruppen hat Weinberger bereits mehr Kinder untergebracht als vorgesehen – Trickserei mit dem Segen des Schulamts. „Es geht längst nicht mehr um Qualität“, sagt Hockemeyer, „sondern um irgendeinen Platz, wo man sein Kind verwahren kann.“

Auch Eva Schröder, Mutter eines künftigen Erstklässlers, ist wütend. Wegen der Betreuungsmisere hat sie mit anderen Familien einen Brandbrief an die Stadt und das Kultusministerium geschickt. „Seit Jahren ist diese Schule drastisch unterversorgt mit Räumen“, schreibt sie. Laut Weinberger funktioniert die Betreuung nur noch, weil die Eltern jedes Schuljahr eine neue Gruppe gründeten und sich mit winzigen Räumen abfänden. Es gebe sogar schon eine „Geisterschloss-Gruppe“, die ohne festen Raum übers Schulgelände „geistere“.

Der Stadt ist das Schulzentrum seit Jahren als Problemfall bekannt. Bereits 2013 beantragte Josef Schmid, damals noch CSU-Fraktionschef, dort mehr Klassenräume zu schaffen. Doch auch im jüngst beschlossenen zweiten Schulbauprogramm – das Projekte bis 2023 plant – taucht das Zentrum erst als vages Zukunftsprojekt auf. Mögliches Ziel: die Realschule herauszulösen und sie bei der Mittelschule an der Franz-Nißl-Straße neu zu bauen, um die alten Schulräume für Grundschüler und Gymnasiasten zu nutzen.

Bezirksausschuss kümmert sich um das Problem

Doch dieses Ziel liegt in weiter Ferne. Das Referat für Bildung und Sport arbeitet zurzeit an einer Machbarkeitsstudie, wie in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Allach-Untermenzing bekannt wurde. BA-Vorsitzende Heike Kainz (CSU) sagte: „Wir werden das Bildungsreferat bitten, die Studie zeitnah zu einem Ergebnis kommen zu lassen.“ Zudem soll es einen Ortstermin geben, um eine Lösung zu finden, „die zwischenzeitlich Erleichterung verschafft“.

Schröder ist enttäuscht vom Stadtrat. „Wir werden wieder nur vertröstet“, sagt sie. Weinberger kann verstehen, dass sich die Stadt erst um Schulen kümmere, wo es noch schlimmer brenne. In diesen Jahren baut die Stadt zig neue Schulen, und von den 340 bestehenden muss mindestens die Hälfte saniert oder erweitert werden. „Solange es an einer Schule irgendwie geht“, heißt es aus dem Referat, habe diese keine oberste Priorität. Weinberger bittet aber darum, Lösungen „zu forcieren“. Schröder hat dem Referat vorgeschlagen, Pavillons aufzustellen. Tatsächlich bewegt sich nun etwas: Wie unsere Zeitung erfuhr, wird geprüft, einige überalterte Pavillons der Realschule abzureißen und neue zu bauen – so sollen mindestens sechs zusätzliche Räume entstehen. Früheste Fertigstellung: 2019, heißt es.

Inzwischen hat Schröder einen Platz im Regionalhort an der Paul-Gerhardt-Allee. Dieser wurde 2014 gegründet – als Notlösung für Schüler mehrerer Schulsprengel. Für Schröders Sohn heißt das: „Statt drei Minuten Fußweg nun 20 Minuten mit dem Bus.“ Hockemeyer begreift nicht: „Wann Krippenkinder in die Schule kommen, ist doch absehbar.“ Falls sie leer ausgehen, haben er und seine Frau einen Notfallplan: Sie arbeite dann zwei Tage ab fünf Uhr früh und einen Tag im Homeoffice, er übernehme einen Tag und arbeite abends länger. „Ein gutes Familienleben“, sagt er, „sieht anders aus.“

Christine Ulrich, Sara della Malva

Auch in Harlaching schlagen die Eltern Alarm! Schichtbetrieb auf dem Pausenhof, kein Musikraum und keine Schulbibliothek mehr - das ist an der Grundschule an der Rotbuchenstraße in Harlaching Alltag.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Allach - Untermenzing“.

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