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„Das war reiner Sadismus“: Der Stadtteilhistoriker Klaus Mai hält am Sonntag eine Lesung an der ehemaligen KZ-Baracke in Ludwigsfeld ab.

Gedenken am 8. November

Die vergessenen KZ-Opfer von Allach

München - In Ludwigsfeld wird am 8. November an 2300 Opfer des NS-Terrors erinnert. Die Häftlinge kamen zwischen 1943 und 1945 im KZ-Außenlager Allach ums Leben. Die Namen von 568 Ermordeten wurden erst kürzlich entdeckt.

Das Datum ist eng mit der Schreckensherrschaft der Nazis verbunden. Am 8. November 1923 begann im Bürgerbräukeller der Hitler-Ludendorff-Putsch. Auf den Tag genau 16 Jahre später misslang am selben Ort Georg Elsers Attentat auf Adolf Hitler. Am 8. November 2015 findet in München-Ludwigsfeld eine Gedenkstunde statt. Von 11 Uhr an wird an rund 2300 Opfer des NS-Regimes erinnert. Die Namen vieler Ermordeter werden verlesen.

Östlich des MAN-Geländes, wo heute eine Wohnsiedlung liegt, befand sich zwischen 1943 und 1945 das KZ-Außenlager Allach, eine Zweigstelle des Konzentrationslagers Dachau. Stadtteilhistoriker Klaus Mai forscht seit Jahren an der Geschichte dieses bislang kaum bekannten KZ. Mit dem Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl lädt der SPD-Politiker nun zur Lesung an der ehemaligen KZ-Baracke, Granatstraße 10, in Ludwigsfeld ein.

Erst vor Kurzem hat Mai 568 neue Namen von Häftlingen entdeckt, die in Ludwigsfeld starben. Davor waren etwa 1200 Tote im KZ-Außenlager aktenkundig. Die Summe hat sich nun auf etwa 1800 Tote erhöht, wobei Mai von einer Dunkelziffer von weiteren 500 Ermordeten ausgeht. „Die Namen der 568 Häftlinge waren falsch eingeordnet worden“, erklärt der Historiker seine Neuentdeckung. „Sie waren zuvor als Häftlinge notiert, die in Dachau gestorben sind. Warum sie so eingeordnet wurden, darüber kann man nur spekulieren.“

Das KZ-Außenlager Dachau-Allach und sein Nebenlager Allach-Karlsfeld standen in engem Zusammenhang mit der Produktion von Flugmotoren bei BMW in Allach. Zahlreiche Außenlager-Häftlinge mussten dort arbeiten. Viele Insassen des Lagers, auch Judenlager genannt, wurden beim Baukommando „BMW-Bunkerhalle“ eingesetzt. Sie mussten einen 18 000 Quadratmeter großen Bunker errichten, in dem während des Krieges montiert wurde. Der Bunker steht heute noch auf dem Gelände von MAN und MTU. „Der Bunkerbau galt als Todeskommando“, erklärt Mai. „Das haben Überlebende berichtet. Im Winter 1944/45 sind allein in einer Woche 50 Menschen gestorben. Man hatte ihnen sogar ihre Holzschuhe und Mäntel weggenommen. Das war reiner Sadismus.“

Die meisten der 568 neu ermittelten Toten waren Insassen des Allacher Lagers, ein Großteil Deutsche, viele davon Juden. Auf ihre Spur kam Klaus Mai bei Online-Recherchen im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Dieses birgt 30 Millionen Dokumente über die Inhaftierung von Menschen in Konzentrationslagern und Ghettos. Hinweise in einer Überblickliste führten Mai zur weiteren Nachforschung ins digitale Archiv des KZ Dachau. Dort entdeckte er eine Akte, in der 568 Tote zwar dem Dachauer Lager zugeordnet waren. Weiter unten fand er jedoch in kleiner Schrift einen eindeutigen Verweis auf den Todesort Allach.

Die bisher verkehrte Zuordnung dieser 568 Menschen mag an der engen Verknüpfung zu BMW, aber auch zwischen den Lagern Dachau und Allach liegen. „Jeder, der in Allach starb, musste nach Dachau transportiert und dort von der Häftlingsliste gestrichen werden“, sagt Mai. Ob die 568 toten Häftlinge damals wirklich nach Dachau kamen und dort verbrannt oder begraben wurden, ist unklar. Bereits Ende 1944 reichte die Kapazität der Öfen im Dachauer Krematorium nicht mehr aus. Es kann gut sein, dass die Toten in Ludwigsfeld verscharrt wurden. Viele ihrer Namen jedenfalls werden am Sonntag in Ludwigsfeld vorgelesen. Ein Vertreter von BMW hat sich für die Veranstaltung angekündigt.

Katrin Hildebrand

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