Markus Demmel kämpft gegen die Lkw-Flut im ehemaligen Dorf.

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Allach-Untermenzing

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - München wächst. In Aubing entsteht mit Freiham sogar ein ganz neuer Stadtteil. Doch gewerkelt wird auch abseits großer Baugruben - man muss bloß genau hinschauen. In Hinterhöfen, Werkstätten und Garagen sind sie (noch) zu finden: Münchens Handwerker. Doch leider passen sie oft nicht mehr in unsere Zeit: Der Run auf günstige Massenware bricht vielen das Genick, andere werden raussaniert. Wo Altes wegbricht, kommt Neues. Schöner wohnen an der Würm - für die alten Bewohner weniger schön. Traditionshäuser gehen, Verkehr kommt. Welche Viertel aufgemöbelt werden, wo mit zarter Hand saniert wird und wo sich Bürger alte Zeiten zurückwünschen, lesen Sie im letzten Teil des tz-Stadteilchecks.

Verkehr: Protest rollt an

Markus Demmel (56) kann sich noch an die Zeiten erinnern, als Allach und Untermenzing Straßendörfer waren. „Es gab keinen Dorfplatz. Das Leben hat sich entlang der Eversbuschstraße abgespielt. Heute versucht man, von dort zu fliehen, um nicht überfahren zu werden“, sagt der gebürtige Untermenzinger. „Wir werden von Schleichverkehr und Lkw-Kolonnen überrollt.“

Dabei sei die Zuversicht, den Verkehr einzudämmen, noch vor zehn Jahren groß gewesen. „Wir haben begonnen, anlassbezogen zu protestieren. Der erste große Anlass war die Mülldeponie, die man uns hinstellen wollte. Dann beantragte die Firma Schernthaner die Erweiterung ihres Betriebs am Paul-Ehrlich-Weg.“ Anwohner und Lokalpolitiker konnten beide Vorhaben erfolgreich verhindern. Aus den losen Zusammenschlüssen gründete sich die Interessensgemeinschaft (IG) „Verkehrsberuhigung Allach-Untermenzing“. Ein Anfang war gemacht – dachten die Bürger.

Doch die Euphorie habe sich schnell gelegt, sagt IG-Mitbegründer Demmel. „Die Stadt befasst sich nicht mit unseren Sorgen: Das Straßennetz in Allach-Untermenzing sei von der Verkehrsplanung her aufnahmefähig, heißt es. Aber diese Zahlen sind schöngerechnet! Denn sie beziehen sich auf die Tagesleistungsfähigkeit. Der massive Verkehr in der Früh und abends bleibt.“

Die Situation zu den Stoßzeiten sei vor allem für die Schulkinder schlimm. „Wenn der Aubinger und der Allacher Tunnel wie fast immer in der Früh dicht sind, fährt alles westlich des Münchner Nordens über uns – und abends wieder zurück.“ Der Paul-Ehrlich-Weg sei vom Westen her die einzige Einfallstraße in diesem Bereich. „Aber er wurde als reine Wohnstraße konzipiert und ist gar nicht für so einen massiven Verkehr ausgelegt.“

Die Stadt hat laut Demmel jetzt eine Analyse zur Erstellung eines Verkehrskonzepts für Neuaubing und Lochhausen in Auftrag gegeben – Allach-Untermenzing ist nicht dabei. Demmel ist frustriert. „Es ist für uns unverständlich, dass man keine ganzheitliche Betrachtung vornimmt. Wir haben in der Bürgerversammlung die Aufnahme unserer Stadtviertel in die Analyse beantragt.“

Mareike Kiy (37)

Ein Freizeittreff fürs Viertel

Engagierte Bürgerin: ­Mareike Kiy (37) befragte im östlichen Untermenzing 216 Leute, um herauszufinden, wie zufrieden sie mit den Freizeitmöglichkeiten vor Ort sind. Das Ergebnis: „Viele Erwachsene, die sich noch zu jung fürs ASZ fühlen, wünschen sich mehr Angebote.“ Kino, Kultur, Workshops – all das könnte in einem Mehrgenerationentreff stattinden, so Kiy. Einen Standort hat sie schon im Blick: dort, wo sich heute das Hans-Sieber-Haus befindet. Ein neues Altenheim ist an der Franz-Nißl-Straße geplant.

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