Weltbekanntes Fotomotiv: Das Münchner Rathaus-Glockenspiel, hier mit der Mariensäule. Foto: dpa (1)/ Privat (2)

Historischer Verein Laim

Zufallsfund: Alte Rechnung vom Rathaus-Glockenspiel entdeckt

München - Der Historische Verein Laim hat einen überraschenden Fund gemacht: Bei Recherchen über die Geschichte der mehr als hundert Jahre alten Laimer Glockengießerei Oberascher entdeckten Mitglieder einen alten Kostenvoranschlag. Bei dem ging es um nichts Geringeres als das Glockenspiel im Neuen Rathaus.  

Die glücklichen Finder: Josef Kirchmeier und Josef Stöger vom Historischen Verein Laim.

Es begann als Routinevorgang. Josef Stöger, Vereinsmitglied und Laimer Fotograf, erhielt aus dem Nachlass Oberascher mehrere Münchner Adressbücher, darunter auch eines aus dem Jahre 1907. Dieses nahm sich der Schriftführer Josef Kirchmeier genauer vor. Bei der Durchsicht entdeckte er – verborgen im Packpapiereinband – unter anderem den Kostenvoranschlag. Die Hobbyhistoriker gehen davon aus, dass der undatierte Entwurf auch im Jahr des Glockenspiel-Einbaus niedergeschrieben wurde, also aus dem Jahr 1905 stammt und somit 110 Jahre alt ist. Das Papier gibt Auskunft über die „Lieferung und betriebsfertige Aufstellung eines Glockengerüstes für 43 Glocken, Lieferung und Montage von 43 Klöppeln, Montage von 43 Glocken für den Turm des Neuen Rathauses in München“.

210 Schrauben für 125 Mark

So sieht es aus: das Dokument von 1905.

Alle Einzelposten sind akribisch aufgelistet. Etwa der Glockenstuhl aus Walzeisen zum Preis von 3600 Mark. Und die 210 Stück Befestigungsschrauben im Wert von 125 Mark. Die Gesamtkosten inklusive Arbeitszeit: 6913 Mark. „Dieser Preis muss nun noch auf den Zeitwert in Euro umgerechnet werden“, so der Verein. Ganz intakt sei das Zeitdokument aber nicht. Leider habe sich infolge der unsachgemäßen Lagerung die Farbe der zweiten Seite auf der Vorderseite abgedruckt.

„Es ist immer wieder überraschend, wie viele historisch interessante Schätze im Verborgenen vor sich hin schlummern. Wir sind sehr glücklich über diesen Zufallsfund“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Hausmann. „Das Münchner Glockenspiel ist weltweit bekannt, zehntausende Touristen bewundern es Jahr für Jahr. In Laim ist es entstanden.“

Die Geschichte der Laimer Glockengießerei Oberascher und weitere Informationen zum Münchner Glockenspiel veröffentlicht der Historische Verein im nächsten Laimer Almanach. Dieser wird am Mittwoch, 21. Oktober, um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Laim (Fürstenrieder Straße 53) vorgestellt. Enthalten sind in diesem Heft auch andere Themen rund um Laim und die Geschichte des Stadtteils. Am Samstag, 24. Oktober, steht von 9 bis 13 Uhr an der Fürstenrieder Straße 51 ein Infostand des Vereins. Dort werden Mitglieder auch den neuen Almanach verkaufen.

Brigitta Wenninger

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