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Die Robinie vom Marienhof (vorne rechts im Bild) hat den trockenen Sommer nicht verkraftet und muss gefällt werden.

Sommerhitze macht Flora zu schaffen

Uralte Klimaopfer: Die Angst um unsere Bäume geht um - auch Robinie auf Marienhof betroffen

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  • Nina Bautz
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Der Klimawandel macht der heimischen Flora zu schaffen. Viele Bäume sind mit der Hitze und der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer nicht klargekommen. Das wohl prominenteste Baum-Opfer ist die Robinie vom Marienhof.

  • Infolge des Klimawandels sterben immer mehr Bäume ab.
  • Auch die Robinie auf dem Marienhof muss gefällt werden.
  • Naturschützer klagen ihr Leid und machen Vorschläge zum Schutz der Pflanzen.

München - Tod durch Hitzestress: Wie berichtet, muss die Robinie am Marienhof gefällt werden. Dieser eigentlich robuste und wärmebeständige Baum ist nicht das einzige Opfer des Klimawandels in München. Die Trockenheit setzt unseren Bäumen schon jetzt so sehr zu, dass Experten Alarm schlagen. „Unsere Wälder um München sind in einer extrem kritischen Situation“, sagt Wilhelm Seerieder, Chef der Bayerische Staatsforsten München.

Von den 120.000 Festmetern, die Seerieders Förster im Schnitt im Jahr in Wäldern wie dem Forstenrieder Park, dem Grünwalder Forst oder dem Perlacher Forst fällen oder einsammeln, seien früher etwa 20 Prozent witterungsbedingt gewesen, heute seien 50 bis 60 Prozent dem Klimawandel geschuldet.

Bäume fallen Klimawandel zum Opfer: Bodenbeschaffenheit macht Pflanzen zu schaffen

Die Münchner Bäume sind sogar besonders anfällig für den Klimawandel und die mit ihm einhergehende Trockenheit: Verantwortlich dafür ist die geologische Beschaffenheit des Bodens. „In Phasen ohne Niederschlag müssen sich die Bäume über das Wasser im Boden ernähren“, erklärt Seerieder. In der Münchner Schotterebene speichere der Boden aber nur bis in etwa 30 bis 50 Zentimeter Tiefe Wasser. „Der Kies transportiert das Wasser direkt ins Grundwasser.“

Eine Fichte könne bei diesem flachgründigen Boden etwa drei Wochen ohne Niederschlag auskommen, sagt Wilhelm Seerieder. „Dann kränkelt sie und ist zum Beispiel anfällig für Borkenkäferbefall.“ In einem späteren Stadium - nach etwa fünf Wochen ohne Niederschlag - komme es zu echten Trockenschäden, dann könne der Baum absterben.

Bäume fallen Klimawandel zum Opfer: „Können Wald nicht mehr planmäßig pflegen“

Für die Förster der Münchner Wälder bedeuten die Schäden durch den Klimawandel, dass sie nur noch hinterherarbeiten. „Bei uns herrscht permanenter Baustellenbetrieb“, sagt der Betriebsleiter des Forstbetriebs München. „Wir können den Wald nicht mehr planmäßig pflegen. Wir tun alles nur, um den Wald in der Existenz zu sichern.“

Bei seiner Fahrt mit der S-Bahn machte ein Münchner eine amüsante Entdeckung, die er anderen Pendler nicht vorenthalten wollte.

Im Botanischen Garten hat man den Vorteil gegenüber den großen Wäldern, dass die Gärtner bei Trockenheit gießen können. Dennoch mache sich der Klimawandel auch hier bemerkbar, erklärt Kurator Dr. Andreas Gröger. „Früher konnten wir in München viele exotische Pflanzen nicht kultivieren, weil es zu kalt war. Aber durch die milden Winter verschiebt sich das Artenspektrum. Exoten wie den Mammutbaum können wir mittlerweile auch hier kultivieren.“

Am meisten aber leiden die Stadtbäume unter der steigenden Hitze. Die Bäume haben einen sehr begrenzten Platz zum Wachsen und leiden unter der Flächenversiegelung. Nun reagierte der Stadtrat, indem er eine Bestandsaufnahme der Bäume beschloss. „Das reicht aber nicht“, sagt Angela Burkhardt-Keller vom Bund Naturschutz. „Die Stadt braucht ein Gießmanagement, robustere Baumarten und mehr durchgängige Baumstreifen“, fordert die Naturschützerin.

Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thumberg reist im Vorfeld der Hamburg-Wahl zu einer Demo in die Hansestadt. Für den Frühling geben Meteorologen eine bedenkliche Wetterprognose ab. Auch der Ausblick auf das ganze Jahr lässt extreme Bedingungen erwarten.

Aus der Münchner U-Bahn ist ein skurriles Bild aufgetaucht. Ein User stellte eine berechtigte Frage.

Nina Bautz, Stéphanie Mercier

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